Bühnenlicht – ein elementares GestaltungsmittelLicht ins Schultheater!

Licht ist elementares Gestaltungsmittel für eine Inszenierung und viel mehr als die ausreichende Beleuchtung des Bühnengeschehens. Von daher besitzt die Arbeit am Licht auch bei eingeschränkten Möglichkeiten einen hohen Stellenwert für das Schultheater. Die Herausforderung lässt sich anhand eines gut strukturierten Vorgehens mit jeder Gruppe meistern. 

Schweinwerfer und Schauspielerin

Beim Einrichten des Lichtes muss die Aktion auf der Bühne mitbedacht werden. Foto: Michael Blum

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Die ästhetische Arbeit mit Licht wird im Schultheater oft vernachlässigt. Das liegt zum einen sicher an der häufig mangelhaften Ausstattung der Schulbühnen. Da viele Schulen kein ausreichendes Lichtequipment haben, stehen manchmal erst zur Generalprobe alle Scheinwerfer zur Verfügung. Dann ist ein Experimentieren mit Licht im Kurs nicht möglich. Die Schule sollte sich von kurzfristiger Ausleihe unabhängig machen und ihr Equipment Scheinwerfer für Scheinwerfer erweitern, um die Beleuchtung stärker ins Gesamtkonzept des Theaterprojekts einbeziehen zu können.

Zum anderen liegt die Vernachlässigung aber auch an der verbreiteten Praxis, dass Theaterlehrer die Arbeit mit Bühnenlicht nicht als Teil ihrer Gestaltungsarbeit im Kurs begreifen, sondern diese komplett an eine schulische Technikgruppe delegieren. Sie fühlen sich in ihrer Arbeit durch dieses Arrangement erleichtert, zumal viele nicht gerade eine technische Affinität in sich spüren. Diese gefühlte Erleichterung führt allerdings häufig zu ästhetischen Lösungen, die unstimmig oder gar beliebig erscheinen. Zum Gesamtkonzept eines Theaterprojekts gehört eben auch ein Lichtkonzept.

Licht als ästhetisches Mittel erfahren

Der Begriff Lichtstimmung macht schon deutlich, dass eine abgestimmte Kombination von Scheinwerfer-Einstellungen von einem Publikum als emotionale Stimmung einer Szene – und zwar in der Regel unbewusst – interpretiert wird. Es geht darum, die beabsichtigte Wirkung durch spezielle Scheinwerfereinstellungen und Einfärbungen der Bühne zu initiieren.

Wenn ausreichend Bühnenlicht zur Verfügung steht, können die Kursmitglieder selbst Erfahrungen mit der Wirkung unterschiedlicher Lichtstimmungen sammeln und so zum Lichtkonzept der Aufführung beitragen. Sie erfahren, dass Bühnenlicht das Spiel interpretieren, auch auf das Dargestellte fokussieren kann.

Für das Fahren des Bühnenlichts – also die Bedienung des Lichtpults – während einer Aufführung sind in einer AG „reine“ Techniker denkbar. Diese sollten aber auch an der künstlerischen Gestaltung des Lichts beteiligt werden. Im Schulfach Theater ist es allerdings nicht zu akzeptieren, dass einzelne Schüler des Kurses lediglich für die Beleuchtung abgestellt werden. Denn alle Mitglieder eines Theaterkurses sollten spielen. Es finden sich aber in der Schule immer wieder Schüler, die die Arbeit mit Licht interessant finden und sich freiwillig engagieren, ohne im Kurs zu sein.

Am Lichtkonzept arbeiten

Mit dieser Lichtgruppe zusammen sollte der Kurs ein Lichtkonzept für die Aufführung als Teil ihres Gesamtkonzeptes entwickeln. Dies geschieht nicht in einer Diskussionsrunde oder am Schreibtisch, sondern im Zusammenhang mit der Entwicklung des Spiels. Im Idealfall ist das ein Prozess, in dem Raumkonstellation, Aktionen der Schauspieler und Experimente mit dem Licht sich gegenseitig beeinflussen. Das Lichtkonzept muss sich an den technischen und räumlichen Gegebenheiten orientieren. Zwischenergebnisse werden notiert und bei Bedarf revidiert.

Für einen projektbezogenen Raum-Lichtplan muss zunächst geklärt werden, wo im Raum gespielt wird. Beschränkt sich der Aktionsraum auf die Bühne oder greift er auch in den Zuschauerraum, die Gänge, die Empore oder andere Orte? Welche Lichtsituationen sind auf welchen Bühnenflächen vorgesehen? Welche punktgenauen Effekte durch Spots sind wo geplant? Welche Flächen oder Raumpunkte müssen mit welchen Farben eingefärbt werden? Gibt es Flächen, die klar von der übrigen Bühne abgegrenzt werden sollen? Ist das Geplante mit der zur Verfügung stehenden Lichttechnik zu schaffen oder muss das Lichtkonzept vereinfacht werden? Ein solcher Raum-Lichtplan ist übrigens auch bei der Teilnahme an einem Festival sehr hilfreich, da die geplanten Lichtsituationen ermöglicht werden müssen, die Lichttechnik sich aber von der heimatlichen Bühne deutlich unterscheidet.

Die Scheinwerferpositionen einrichten

Jede Inszenierung benötigt eine spezielle Lichteinrichtung. Diese Einrichtung – unterstützt durch den zuvor erstellten Raum-Lichtplan – ist zwar zeitaufwändig, lohnt sich aber, weil erst eine exakt auf die Inszenierung abgestimmte Scheinwerferanlage die Möglichkeiten des Ausdrucksträgers Bühnenlicht ausschöpfen kann. Es geht um die Ausrichtung der Scheinwerfer, um ihre Fokussierung, um ihre Farbigkeit, um die Positionierung der Scheinwerfer aus Sicht des Publikums auf die Szene bzw. die Akteure: Vorder-, Seiten-, Ober-, Gegen- und Rücklicht. Wenn die Scheinwerfer bei den Dimmern (Regler zur Helligkeit der Lampen) einzeln gesteckt sind, lassen sie sich getrennt voneinander auf dem Lichtpult mit einem eigenen Regler (Fader) steuern bzw. in ihrer Helligkeit variieren. Es ist für die Einrichtung des Lichtes hilfreich, wenn in einem Lichttechnik-Grundplan die jeweiligen Scheinwerfer mit ihrer Bauart, ihrem Platz im Bühnenraum sowie der Fader-Belegung des Lichtpultes aufgeführt sind. Anhand des Grundplans lässt sich dann der für eine spezielle Lichteinstellung gewünschte Scheinwerfer schnell finden und einrichten.

Kurz vor einer Aufführung (spätestens zur Generalprobe) muss die Einrichtung des Lichtes bereits erfolgt sein. Zu diesem Zeitpunkt muss das Spiel im Aktionsraum so weit festgelegt sein, dass sich auch das gezielte Setzen von Spots lohnt. Beim Einrichten des Lichtes muss die Aktion auf der Bühne mitbedacht werden. Es reicht nicht, den Boden auszuleuchten, man muss vielmehr die Aktionen der Akteure in voller Höhe und Breite berücksichtigen. Zum Einrichten ist es notwendig, dass eine Person als Helfer die unterschiedlichen Positionen auf der Bühne einnimmt. Eine in der Höhe auszuleuchtende Person ist dann ausreichend ausgeleuchtet, wenn eine Hand über dem Kopf noch Licht bekommt.

Lichtstimmungen kreieren und festhalten

Die Lichtwerte eines Scheinwerfers – also die Helligkeit – werden auf dem Stellpult mit einem Wert zwischen 1 und 10 festgelegt, dies nennt man seine Einstellung. Diese Einstellungen lassen sich nun kombinieren, um eine optimale Beleuchtung für jede Szene zu finden. Die Summe von festgelegten Scheinwerfer-Einstellungen ergibt eine Lichtstimmung. Für jede Lichtstimmung werden die beteiligten Scheinwerfer, die Stärke des jeweiligen Lichtwerts und die Farbe (besonders nötig bei Wechsel der Farbe an einem Scheinwerfer während der Aufführung) notiert. Es sind in der Regel viele Lichtstimmungen erforderlich, um ein Stück angemessen zu beleuchten. Selbst während einer Szene kann es sinnvoll sein, mehrere Lichtstimmungen zu fahren.

Für das Fahren des Lichts wird ein Lichtplan geschrieben, der jede Lichtstimmung für sich mit ihren Werten auf einem speziellen Bogen notiert. Im Lichtplan weisen Notizen auf Stichworte im Text oder Aktionen hin, bei denen der Lichtwechsel erfolgen soll. Nach diesen Bögen wird das Licht in der Aufführung über ein analoges oder digitales Lichtpult gesteuert. Solange sich die Gruppe an den geprobten Ablauf des Stückes hält und die Spieler die verabredeten Wege auf der Bühne einhalten, kann nichts schiefgehen.

Spiel und Licht in Einklang bringen

An das Spiel im Bühnenlicht müssen sich die Spielerinnen und Spieler gewöhnen. Sie neigen dazu, ihr Gesicht aus dem Licht herauszuhalten, weil das starke Theaterlicht blendet. Oder sie orientieren sich nur an dem Lichtkreis eines Scheinwerfers auf dem Bühnenboden. Das ist bei gezielt gesetzten Spots besonders problematisch: Dann ist das Gesicht häufig fast nicht zu sehen, wohl aber Bauch und Füße. Wichtig ist es, immer wieder bei Proben darauf zu dringen, dass die Spieler „das Licht suchen“, also bewusst ins Licht gehen. Für spezielle Lichteffekte, die punktgenau gesetzt sind, hilft das Anbringen von Klebeband-Markierungen auf dem Bühnenboden.

Um Spiel und Bühnenlicht aufeinander abzustimmen, sind mehrere Lichtproben notwendig. Bei komplexem Lichtplan sind mindestens die letzten Durchlaufproben und die Generalprobe mit dem geplanten Bühnenlicht anhand des Lichtplans zu fahren, damit die Beleuchter für die genauen Lichtwechsel, aber auch die Schauspieler in ihrem Spiel bei speziellen Lichtsituationen, sicherer werden.

Ein gut abgestimmtes Licht schafft Atmosphäre, fokussiert auf das Wesentliche, verwandelt eine Aula in einen Theaterraum. Daher kann es nur heißen: Mehr Bühnenlicht ins Schultheater!

 

Literatur

Schlünzen, Wulf: Werkstatt Schultheater. Übungen, Experimente, Projekte. DS 2. Hamburg, 2010; S. 80 ff.

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