Pinnwand mit Polaroids der Herausgeber der Zeitschrift Schultheater: Sven Asmus-Reinsberger, Leopold Klepacki, Klaus, Riedel, André Studt, Virginia Thielicke und Maximilian Wieg.
Lust auf Theater Warum wir "Schultheater" machen

2010 erschien die erste Ausgabe der Zeitschrift Schultheater. Angesichts einer vielfältigen Landschaft im Bereich des Theaters an Schulen, einer von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlichen Gestaltung der Ausbildung von Theaterlehrerinnen und -lehrern und zahlreichen Entwicklungen im Fach hatten Leopold Klepacki, Eckart Liebau, Dieter Linck und Matthias Warstat von der Universität Erlangen-Nürnberg eine zündende Idee: Es müsste eine Zeitschrift für Theaterlehrerinnen und -lehrer geben. Eine Zeitschrift, die Hilfen für den Unterricht bietet, Hintergrundinformationen zu allen wichtigen Themenbereichen des Fachs liefert, Entwicklungen beobachtet und fachdidaktische Perspektiven vermittelt. Das war die Geburtsstunde der Zeitschrift Schultheater, an der wir heute mitarbeiten, um Ihnen viermal im Jahr Hefte bieten zu können, die Sie in Ihrem Theaterunterricht unterstützen und begleiten.

Schultheater in Zahlen

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Autorinnen und Autoren haben für 33 Hefte Artikel geschrieben, das sind pro Ausgabe im Durchschnitt gut acht neue Leute - immer zum jeweiligen Thema die Expertinnen und Experten!

 

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Kilometer lang wäre die Strecke, würde man alle Seiten aller Exemplare aller bisher erschienenen Hefte aneinander legen - das entspricht etwa der Entfernung von Hamburg (Theaterhauptstadt Deutschlands mit den meisten Theaterbesuchen pro Kopf im Jahr, nämlich 2,6) nach Neapel (in Pompeji befindet sich das älteste Amphitheater von ca. 60 v.Chr.) oder auch von Bodrum in der heutigen Türkei (mit dem ältesten Theater der Welt von ca. 400 v. Chr.) nach Rom (wo sich das älteste Theatergebäude der Welt befindet, das im Jahr 11 v. Chr. fertiggestellt wurde).

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Herausgeberinnen und Herausgeber haben schon an Schultheater mitgewirkt.

Unsere Herausgeber 💙 Schultheater

Sven Asmus-Reinsberger

(Schul-)Theater: zu Beginn eine biografische Achterbahnfahrt – inzwischen eher in ruhigeren Gewässern. Ein Telegramm …  

Erste Erfahrungen bei Grundschulspielen in Hamburg eher in schrecklicher Erinnerung. Nach Umzug über eine Jugendgruppe an einem freien Jugendhaus in Stuttgart erneutes Interesse (besonders auch an der Gruppendynamik …) . Mit 15/16 eine Art Erweckungserlebnis durch einen sehr innovativen und engagierten Theater-AG-Lehrer (der u. a. bei Zadek hospitiert hatte und nun diesen „neuen Theater-Spirit“ in Form von politischen Text-Collagen mit in die Schule trug). Gefühlt ungemein erfolgreiche Gastspiele mit der Theater-AG bei der Partnerschule in Lyon. Folgerichtiger Wunsch, beruflich „vielleicht irgendwas mit Theater“ zu machen. Im Zivildienst nach Boal-Kursen in der Grundausbildung Spiel in einer freien Gruppe, deren Leiterin (eine Schauspielerin am Staatstheater Stuttgart) so viel Negatives über das Betriebssystem Theater zu berichten wusste, dass als Resultat zunächst „Goldschmied statt Theater“ im Lebenslauf erschien. Gleichzeitig aber prägende „Rezeptions-Erlebnisse“, unter anderem beim „Theater der Welt“-Festival in Stuttgart 1987. Kunsterzieher-Studium mit Schwerpunkt Film an der Hamburger Kunsthochschule mit dem Wunsch, vergleichbar an der Hochschule für Musik und Theater „Lehramt Theater“ zu studieren. Doch trotz fertigem Curriculum: der Studiengang wurde aus finanziellen Gründen noch vor dem Start „eingestampft“. Zunächst große Enttäuschung – Konzentration auf das Biologie- und Kunststudium. Dann nebenbei Belegung des „Lernbereichs Darstellendes Spiel“ an der Uni, theaterwissenschaftliche Seminare sowie Gründung einer freien Theatergruppe am Pädagogischen Institut. Schauspielunterricht in der Gruppe, Auftritte beim Zelttheaterfestival im Schanzenpark. Als Referendar direkt mit einer Oberstufengruppe beim Landesfestival „tms“ auf Kampnagel gespielt – begleitet durch eine Art „drittes Fachseminar“ Darstellendes Spiel und intensive Wochenendseminare bei charismatischem FS-Leiter; dadurch geprägt zweite Staatsexamensarbeit im Fach DSP. An der Schule von Anfang an mit Schwerpunkt Theater, Fachleitung, Teilnahme am berufsbegleitenden zweijährigen „Lehrgang Schultheater“ sowie selbst erste Fortbildungen am LI (Lehrerbildung) im Bereich Video und Theater gegeben. Seit 2007 dann fest am LI für Theater Sekundarstufen und den „Lehrgang“ zuständig. Vorstandstätigkeit im Landesverband und Bundesverband Theater in Schulen und über „Fokus Schultheater“ dann bei der Zeitschrift „Schultheater“ gut gelandet.

Leopold Klepacki

Zum Schultheater bin ich – wie könnte es auch anders sein – durch das Schultheater gekommen, und das ganz klassisch: erst Theater-AG, dann Grundkurs „Dramatisches Gestalten“, wie das damals in Bayern hieß. Danach ging es – „natürlich“ inspiriert durch die Erfahrungen und „Erfolge“ im Grundkurs – zweigleisig weiter: Studium der Theaterwissenschaft, Pädagogik und Germanistik und zugleich Tätigkeit als Spielleiter und freier Regisseur in Schul- und Amateurtheaterkontexten. Zusammen mit dem Umstand, dass ich studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Pädagogik II der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg war, dieser Lehrstuhl ein Profil in Kulturpädagogik hatte und der damalige Lehrstuhlinhaber (Prof. Dr. E. Liebau) ein besonderes Interesse an Schultheater hatte, ich meine Magisterarbeit über Schultheater schrieb und am Ende meines Studium zufällig an diesem Lehrstuhl eine Stelle frei wurde, kam es, dass ich mich von nun an wissenschaftlich näher und längerfristig mit Theater in der Schule beschäftigen konnte. Im Zusammenhang mit der Etablierung des Lehramtsstudiengangs „Darstellendes Spiel“ an „unserem“ Lehrstuhl sowie dem Auf- und Ausbau der „Akademie für Schultheater und performative Bildung“ war dann letztlich die Gründung einer Fachzeitschrift für Schultheater eine mehr oder weniger „zwangsläufige“ biografische Konsequenz.

Klaus Riedel

Seit ich mich erinnern kann, spiele ich Theater: erst mit Handpuppen hinterm Vorhang im heimischen Flur, dann beim Weihnachtskrippenspiel, schließlich in der Theater-AG ab Klasse 8. Es folgte eine Statisterie-Tätigkeit bei den Bad Hersfelder Festspielen - und ich erinnere mich, wie ich als Chormitglied Helen Schneider als Evita zugewunken habe.

Das, was ich nicht studiert habe (eigentlich bin ich Lehrer für Deutsch und Politik) , betreibe ich nunmehr in der Hauptsache: Darstellendes Spiel. Mit der Übernahme der Theater-AG an der Schule qualifizierte ich mich im Rahmen eines umfangreichen Weiterbildungskurses und legte eine examensähnliche Prüfung für das Fach Darstellendes Spiel ab.

Dann folgten DS-Kurse und allerlei Produktionen mit der Theater-AG, u.a. eingeladen zum Schultheater der Länder und zum Theatertreffen der Jugend.

Es folgten Tätigkeiten als Ausbilder in der Lehrer*innenfortbildung für Darstellendes Spiel/Theater; Leitung von Workshops zu den Themen Klassikerinszenierungen, Theatertheorie, Didaktik; Organisation verschiedener Theaterfestivals; Lehraufträge an Hochschulen in Hannover und Zürich. Veröffentlichungen bei Klett und Edition Körber-Stiftung; Mitglied der Autor*innengruppe der Schulbuchreihe „Grundkurs Darstellendes Spiel“ und „Bausteine Darstellendes Spiel“, Schroedel-Verlag; Mitglied der Herausgeber*innengruppe der Zeitschrift „Schultheater“. Von 2010 bis 2018 war ich Mitglied der Jury des Theatertreffens der Jugend in Berlin.

André Studt

André Studt hat das Scheitern seiner Ambitionen in Sachen Schauspiel nie wirklich überwunden; er wurde während seiner Schulzeit nur einmal besetzt, jedoch hat die szenische Interpretation des „ER“ in Hugo Gossenbachers „Der Theatromat“ keine Spuren im ES oder ÜBER-ICH der europäischen Theatergeschichte hinterlassen ... Er kompensiert diesen biografischen Malus durch eine nachhaltige theoretische Beschäftigung mit dem Theater und übt sich in „performativer Pädagogik’“...

Virginia Thielicke

Schultheater hieß zu meiner Schulzeit Reclamhefte lesen, Rollen verteilen und im Hörsaal rumhängen, sofern man nicht auf die Bühne gerufen wurde, um seine Sätze aufzusagen. Lust auf Theaterspielen bekam ich erst in diversen Jugendclubs und Kursen des Thalia Theaters Hamburg. Und durch Theaterbesuche: Tief beeindruckt und eingebrannt bei mir hat sich damals Robert Wilsons Inszenierung Time Rocker. Das Bühnenbild, eine unglaubliche Installation, ausschließlich weiß, das formalisierte und reduzierte Spiel und die kraftvolle Musik. Der dringende Wunsch, nach Kunst und Spanisch auf Lehramt auch noch Theaterpädagogik und Darstellendes Spiel zu studieren, kam auf, nachdem ich das B.E.S.T.-Theater in Bremen kennengelernt hatte. Schulübergreifend beschäftigten sich Jugendliche aller Altersgruppen mit Themen, die ihnen wirklich am Herzen zu liegen schienen. Biografisch, performativ und jedes Mal an einem anderen Ort: in verfallenen Fabriken, in Diskotheken oder einem ehemaligen Gefängnis. Heute liebe ich es, mit meinen Schülerinnen und Schülern selbst Theater zu machen und freue mich, wenn sie Feuer fangen und in ihrer Freizeit gerne ins Theater gehen. Die Rezeption von Theater mit Jugendlichen und Studierenden hat mich so interessiert, dass ich im Rahmen meiner Promotion ein erfahrungsorientiertes Konzept zur Aufführungsrezeption entwickelt habe. Und selbst mit den Reclamheften habe ich meinen Frieden geschlossen – man muss sie nur zu nehmen wissen.

Maximilian Weig

Ich unterrichte Englisch, Geschichte und Theater an einem Gymnasium in Nürnberg, bin tätig in der Fortbildung von DS-Lehrerinnen und -lehrern und Vorstandsmitglied im Bundesverband Theater in Schulen (BVTS).

 

 

Die Redaktion

Almut Aden

Seit 2016 bin ich die für „Schultheater“ verantwortliche Redakteurin – und freue mich über jede Ausgabe, die ich begleiten darf. Ich bin theaterbegeistert und habe eine theaterbegeisterte Familie: Seit vielen Jahren verpasse ich keine der Aufführungen, an denen meine Kinder oder mein Mann (der seit den Anfängen des Faches DS-Lehrer ist) beteiligt sind. Und seit vielen Jahren freue ich mich als Theater-Abonnentin über viele beeindruckende Aufführungen, die ich an den verschiedenen Häusern unseres hervorragenden Stadttheaters schon erleben durfte – und natürlich auch über Theater in anderen Häusern und an anderen Orten. Die Aufführung, die mir am eindrücklichsten im Gedächtnis geblieben ist, ist dies aber, ehrlich gesagt, nicht wegen der darstellerischen Leistung oder des inszenatorischen Konzepts, sondern wegen ihres Ortes: eine Shakespeare-Inszenierung in einem in die Felsen gebauten Freilufttheater an der Südküste Cornwalls, mit Meeresgischt und Sonnenuntergang als Kulisse.

Zwei Hände tippen auf einer Notebook-Tastatur
Arbeiten Sie mit!

Möchten Sie die Zeitschrift mitgestalten und haben Sie eine interessante Unterrichtseinheit entwickelt und erprobt? Oder haben Sie eine gute Idee für eine Karteikarte? Dann schreiben Sie uns! 

Bitte senden Sie Ihre Vorschläge zeitnah an:

Redaktion Schultheater
Friedrich Verlag
Postfach 100150
30917 Seelze

aden(at)friedrich-verlag.de

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