Anke Meyer

3 x Maske

Ein schneller Überblick

Masken faszinieren. Masken erschrecken. Masken verbergen, enthüllen, vergrößern. Diesgilt eigentlich für jede Maske und doch gibt es große Unterschiede in Form, Gestaltung, Spielweise, ästhetischer Wirkung von kulturgeschichtlichen und kontextuellen Differenzen ganz zu schweigen. Einige für den Unterricht besonders bedeutsame Maskentypen und ihre Besonderheiten werden hier kurz vorgestellt.

Gesichtsmasken
Auf dem Gesicht getragene Masken teilen sich in zwei Hauptvarianten: Halbmasken und Vollmasken.
Die in Europa sicherlich bekanntesten Halbmasken sind jene der Commedia dellArte, eines Typenensembles mit ausgeprägten Gesichtszügen, die auf stereotype, gleichwohl widersprüchliche Charaktere verweisen. Diese meist vom Haaransatz bis zur Oberlippe reichenden, passgenau auf dem Gesicht sitzenden Halbmasken erlauben den Spielerinnen und Spielern das Sprechen, wobei sie die Sprechmimik optisch verstärken. Commedia-Masken fordern wie alle Halbmasken eine expressive, dem jeweiligen Ausdruck angemessene Körpersprache, die auch pantomimische Elemente verträgt.
Ihrem visuellen Ausdruck entsprechenden Körpereinsatz fordern in noch stärkerem Maße Vollmasken, die das ganze Gesicht und optional Teile des Oberkopfes oder sogar den ganzen Kopf bedecken. Eine weltberühmte Variante dieser Maskenart bilden die japanischen Nô-Masken, die sich bei aller Typisierung durch erstaunliche Wandlungsfähigkeit auszeichnen und feinste Gefühlsregungen sichtbar machen können.
Vollmasken eigenen sich nur in Ausnahmefällen zum Sprechen bekanntestes Beispiel sind Masken der griechischen Antike, die dafür sogar teils mit stimmverstärkenden Trichtern ausgestattet waren. In den meisten Fällen jedoch liegt das darstellerische Potenzial der Vollmaske in ihren Gestaltungselementen Form, Farbe, Textur, Proportion etc. mit ein- oder mehrdeutigen Charakteranmutungen verbunden mit dem Körperausdruck, der Körpergeste. Wichtige Stichworte in diesem Zusammenhang: Stilisierung und Überhöhung oft schon im Kostüm angelegt, das natürlich selbst eine herausragende Rolle für die Wirkung der Maske spielt. Dass Stilisierung insbesondere durch Reduktion von Bewegungen erreicht wird, hat gerade in der Arbeit mit Schülern/Laien auch einen ganz pragmatischen Vorteil, da die Masken oft die Sicht der Spieler und damit ihre Bewegungssicherheit einschränken.
Körpermasken
Wenn Masken den ganzen Körper bedecken, mit dem Kostüm als Einheit erscheinen oder auf verschiedenen Körperteilen (außer dem Gesicht) getragen werden, führt das oft dazu, dass sich Proportionen verschieben, wie zum Beispiel beim sogenannten Kopffüßler, einer großen, über den ganzen Körper gestülpten oder direkt vor dem Körper getragenen Maske, aus der die grotesk klein wirkenden Beine oder Füße der Spieler direkt herauszuwachsen scheinen. Bei Körpermasken ist der Einfluss der Maske auf die Bewegungsform besonders groß.
Masken mit Abstand zu Gesicht/Körper
Auch mit Anfängern gut spielbar sind Masken, die auf Abstand zum Körper oder Gesicht gespielt werden. Dazu können die „Kopffüßler gehören, wenn sie an Haltestäben geführt werden, oder auch andere Stabmasken, etwa auf langen oder kurzen Stäben mit etwas Abstand vor dem Gesicht oder auch wie Großfiguren in der Höhe getragene Masken. Diese können komplett flach sein oder plastisch ausgeformt, überdimensioniert oder sehr klein sie müssen jedenfalls nicht ans Gesicht angepasst werden. Dieser Maskentyp erlaubt sowohl das stumme, eventuell durch rhythmisches Stampfen mit dem Stab begleitete, Spiel als auch den Einsatz von Sprache. Die leicht auflösbare Verbindung von Spieler und Maske ermöglicht den schnellen Wechsel zwischen Maskenfigur und Spieler(figur) während der Vorstellung.

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