3. – 10. Schuljahr

Michaela Ströbel-Langer

Fremde Wesen an vertrauten Plätzen

Ein Maskenprojekt in der Grundschule

Von der Erstellung ihrer Masken über das Sammeln von Szenen-Ideen bei einem Gang mit den Masken durch den Stadtteil sowie die Entwicklung mehrerer Szenen bis zur Aufführung entwickeln 14 Kinder aus zehn Nationen ihr eigenes Masken-Stück ein Projekt, das sich auch mit älteren Schülerinnen und Schülern gestalten lässt.

Ein Maskenprojekt mit Grundschulkindern? Funktioniert Maskenspiel nicht nur mit hoch entwickeltem Körperbewusstsein? Bedarf es nicht der Feinabstimmung von Bewegungsabläufen, am besten mit pantomimischem Training? Wie geht man bei einer Gruppe Acht- bis Zehnjähriger vor, wenn man Masken nicht nur für eine kurze Szene auf der Bühne einsetzen will, sondern eine ganze Aufführung in diesem Genre plant?
Ausgangspunkt: der Maskenbau
Dass Masken etwas für Kinder sind, wurde bereits in der Bauphase deutlich. Beim Arbeiten mit Ton entstanden ausdrucksstarke Charaktermasken, organisch, aber nicht perfekt symmetrisch geformt, schräge Typen, die sofort die Neugier des Betrachters wecken, die man kennenlernen möchte. Die Kinder hatten vorher Masken der Künstlerin Susanne Carl, die am Projekt kontinuierlich beteiligt war, gesehen und ausprobiert. Ihre Masken konnten in ihrer Mimik mit Eigenschaften wie heiter, nachdenklich, behäbig oder schüchtern in Verbindung gebracht werden, erwiesen sich beim Spiel aber als sehr wandelbar und zeigten breite Einsatzmöglichkeiten.
Für den Bau der eigenen Maske wurden keine Vorgaben gemacht, außer dass sie dem menschlichen Gesichtsschema entsprechen sollten. Es gab also kein Thema als Ausgangspunkt für Maskenbau, Spiel und Inszenierung, keine konkrete Gestaltungsidee, zu deren Umsetzung Masken angefertigt wurden. Vielmehr gaben diese von den Kindern spontan-kreativ geformten Werkstücke die Ausrichtung für das darstellerische Vorgehen.
Wichtig waren beim Bau ein für den Spieler geeigneter Augenabstand und eine passende Stirnhöhe. Insgesamt durfte die Maske nicht zu flach sein, denn nur so passt sie sich dem Kopf und der gesamten Physiognomie an und erscheint nicht als Fremdkörper vor dem Gesicht. Plastizität, etwa eine auffällige Nase oder eine ausgeprägte Mimik, wurden als Qualität eingeführt. Mit sieben bis acht kaschierten Schichten aus Packpapier auf der modellierten Tonform war der Bau aufwendig, ließ aber bereits in der Entstehungsphase eine enge Beziehung zwischen Erbauer und Maske entstehen. Handwerklich sauberes Arbeiten war erforderlich, damit die Masken während des gesamten Projekts in Gebrauch sein konnten. Außerdem bemühten wir uns um eine gut Passform: Der untere Rand durfte am Hals nicht drücken, gegebenenfalls musste er ein Stück eingeschnitten werden. Auf der Innenseite ermöglichten mit Heißklebepistole befestigte Schaumstoffpolster einen guten Abstand zum Gesicht. Es ist nötig, hinter der Maske eine gewisse Selbstregulation aufzubringen, wenn das Gesichtsfeld eingeschränkt ist und man nicht so viel Luft bekommt wie üblich. Da ist klar: Wenn die Maske nicht drückt, fällt es den Kindern leichter, sich auf das Spiel zu konzentrieren. Alle waren immens stolz auf ihr Ergebnis und noch im Werkraum probierten die Kinder ihre Masken mit Perücken aus. Bereits jetzt zeichnete sich ab, welchen Spaß wir mit ihnen haben würden.
Kennenlernen der Figur: Wer bin ich als der Andere?
Beim ersten Treffen im Probenraum untersuchte die Gruppe ihre Masken nach Besonderheiten und Ähnlichkeiten in Mimik und Ausdruck. Die Kinder stellten Überlegungen zu Geschlecht und Alter an, imaginierten, welche Verwandtschaftsbeziehungen oder Freundschaften zwischen den Maskentypen bestehen könnten.
Die Gruppe hatte vorher mit Neutralmasken Erfahrungen im Maskenspiel gemacht. Übungen zur Raumwahrnehmung im peripheren Blick, zur Aufmerksamkeit für die Mitspieler, zur achtsamen Abstimmung in Aktion und Reaktion durch ein „Zug um Zug-Vorgehen waren vorausgegangen. Spiele zu...

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