5. – 13. Schuljahr

Sabine Kündiger

Gut geschminkt ist halb gespielt

Über die Bedeutung von und die Arbeit mit Schminkmasken

Das „private Interesse der meisten Jugendlichen am Schminken, Stylen, Frisieren lässt sich gut für den Einsatz der Schminkmaske nutzen. Gleichzeitig können geschminkte Gesichter und besondere Frisuren eine wichtige Rolle bei einer Inszenierung spielen. Und selbst wenn die Darsteller ungeschminkt aussehen sollen, sollten sie geschminkt werden!

Ihre ersten Schminkerfahrungen machen vor allem Mädchen meist mit Beginn der Pubertät, also im Alter von etwa zwölf bis 14 Jahren. Plötzlich sitzen sie mit schwarz umrandeten Augen, getuschten Wimpern und gefärbten Augenlidern vor uns Lehrkräften, die Gesichtshaut erscheint häufig in einem durchgängigen (viel zu blassen oder viel zu kräftigen) Ton, die Nägel wechseln fast täglich ihre Farbe. Es spricht sich schnell herum, welche Tutorien auf YouTube besonders empfehlenswert sind, kurz: Die Kosmetikbranche hat neue Konsumentinnen zu verzeichnen. Bei den Jungen sind es eher Haargele oder verschiedene Deos, die das Interesse erwecken, nicht selten jedoch greift der eine oder andere ins Makeup-Töpfchen, um Pickel oder Akne zu verdecken.
Experimentiert wird also gern und viel, und wenn im Schultheaterprojekt über das Schminken einer Maske nachgedacht wird, finden sich immer interessierte Teilnehmerinnen, die sich mit Eifer daranmachen, ihre Schminkerfahrungen auf die Gesichter der Mitspielenden zu übertragen.
Damit passiert in einer logischen Chronologie auch das, was wir zu Beginn des Theaterunterrichts vorfinden: Die jungen Menschen versuchen in allererster Linie, ihre Welterfahrung und damit auch sich selbst zu (re)produzieren und darzustellen. Das trifft auf alle Sequenzen des zu vermittelnden Stoffes zu, sei es die Körper- und Bewegungsarbeit, das Entwickeln von Figuren, die Gedanken zu Requisiten und Kulissen oder anderes.
Pädagogisches Potenzial
Wenn wir ganzheitlich, das heißt ganzkörperlich, arbeiten wollen, gehören zu der Entwicklung einer Figur nicht nur ihre Haltung, ihre Bewegungsmuster, ihre Art zu sprechen, sondern auch ihr Äußeres, manifestiert im Kostüm sowie im Gesicht und in dessen Mimik.
Schminke kann wesentlich dazu beitragen, dass Spielende von einer privaten Befindlichkeit in die Befindlichkeit ihrer Bühnen-Figur gelangen. Für Schminkunerfahrene ist dies ein weiterer Weg des Hineinbegebens in eine Rollen-Biografie, für Schmink-„Profis kommt außerdem die Erfahrung hinzu, dass es große Unterschiede zwischen einem alltäglichen und einem bühnenreif geschminkten Gesicht gibt.
Pädagogisches Potenzial steckt hierbei unter anderem im Nutzen des Interesses, welches vor allem Mädchen in der Regel haben, und im Nutzen der vorhandenen Erfahrungen im Umgang mit Pinsel und Farbe für das Gesicht. Hausaufgaben, Klausuraufgaben, Portfolios, Fotostrecken, Erstellen von Farbpaletten, Skizzen, um nur einige Möglichkeiten für die Arbeit im Unterricht zu nennen, können fruchtbringende Mittel sein, um einem Projekt sein „optisch-ästhetisches Vorankommen zu ermöglichen.
Die Schülerinnen und Schüler lernen, dass eine Schmink-Maske als theatrales Mittel mit bestimmten Funktionen eine starke Wirkungsweise im Projekt erfüllen kann, denn sie
  • schafft einen Wiedererkennungswert bei Figurenvervielfachung oder Figurensplitting,
  • unterstützt die Entwicklung von Typologien oder Charakteren,
  • schafft Plastizität (siehe Lichtverhältnisse auf der Bühne),
  • verfremdet, abstrahiert, uniformiert, stilisiert,
  • macht älter,
  • benötigt Zeit (weil erheblicher Aufwand mit einer Schminkmaske verbunden sein kann),
  • hat nicht zuletzt ein hohes ästhetisches Potenzial.
Ästhetisches Potenzial
Für das ästhetische Gesamtkonzept eines Projektes ist die Beschäftigung mit dem Erscheinungsbild der Gesichter der Figuren ein grundlegendes Kriterium. In professionellen Aufführungen ist es selbstverständlich, dass die Schauspieler vor der Vorstellung in die „Maske gehen, um sich unter...

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