1. – 13. Schuljahr

Tom Klimant, Anke Johannes

Maskenbau und Maskenspiel

Bildnerische und theatrale Prozesse: eine wechselseitige Verbindung

Wenn Schülerinnen und Schüler ihre Masken selbst herstellen, entscheidet das gewählte Material mit über die Gestaltung und damit die Figur und deren Darstellung Beschränkungen im Angebot und durch die Eigenschaften des Materials können künstlerische Schaffensprozesse mit überraschenden Ergebnissen anbahnen.

Maskenbau und Maskenspiel finden im schulischen Rahmen meist ausgehend von Figuren oder Ideen Anwendung, die dann umgesetzt werden. Im Unterschied dazu rückt der folgende Beitrag das Spiel mit dem Material in den Fokus. Von zentraler Bedeutung sind hierbei Materialübungen und Zwischenspiele, um sich neuen Sichtweisen auf die Maske, ihren Bau und ihre Form einerseits und auf das theatrale Spiel mit den Zwischenstufen der Masken andererseits zu nähern.
Fachdidaktik: Spiel mit dem Material der Maske
In seinem Beitrag Von bildnerischen Prozessen zu Spielen Arbeit mit Masken und Menschen (2008) beschreibt Peter Steineke den Ansatzpunkt seiner Masken- und Spielentwicklung als ein untersuchendes und experimentierendes Behandeln der Materialien und sich im Prozess befindlichen Objekte: „Wenn wir anfangen zu bauen, wissen wir meistens noch nicht, was gespielt werden soll (Steineke 2008, S. 83). Damit ist eine erste wichtige Grundvoraussetzung für die gleichzeitige und gleichwertige Arbeit an der Maske und am Theaterspiel benannt: nicht zu wissen, was gespielt werden soll. Im Spielprozess werden demnach die Gegenstände des Spiels überhaupt erst entwickelt. Die Maske, „zeitweilig bloßes Material (Nickel 2004, S. 23), „steht dem Spieler gegenüber als ein Objekt (ebd.).
Steineke führt weiter aus: „Nicht etwas Gewusstes nachzubauen, sondern im Arbeitsprozess mit großer Aufmerksamkeit das Entstehende nach seinen Möglichkeiten zu untersuchen (Steineke 2008, S. 84) sei wesentlich für die von ihm vorgeschlagene Konzeption. Wolfgang Nickel stützt diese Konzeption aus theaterpädagogischer Perspektive, indem auch er feststellt: „Die Maskengestalt kann sich ungeplant und unbewusst aus dem Material und dem Herstellungsprozess ergeben; das Produkt überrascht den Gestalter (Nickel 2004, S. 22). Beiden Perspektiven gemeinsam ist die Forderung, dass hier ausgehend von der Materialität der entstehenden Objekte und immer wieder im Rekurs auf diese Materialität sowohl der Maskenbau als auch das theatrale Spiel voranschreiten. Die Versicherung des Spiels und seiner Entwicklungen begründet sich wesentlich über die Materialität seiner Inhalte.
Unterricht: Spiel mit Materialberg und Materialstücken als Vorübung
Exemplarisch werden drei Materialarten beziehungsweise -formen unterschiedlicher Beschaffenheit vorgestellt und im weiteren Verlauf mögliche Bearbeitungs- und Anwendungsmöglichkeiten benannt:
  • (1) fragile, dünne, leichte Papiere (wie Seidenpapiere, Drachenpapiere, Butterbrotpapiere etc.),
  • (2) Graupappen bzw. (Foto-)Kartone, Wellpappe,
  • (3) Verpackungskartone (Kartons, Pappeimer).
Die genannten Materialien können in unterschiedlichen Größen und Formen angeboten werden. Es empfiehlt sich zur intensiven Erforschung des Materials die Beschränkung auf eine der genannten Materialgruppen oder auf nur ein Material. Die Kinder oder Jugendlichen sollen in dieser ersten Übung viele Bearbeitungsmöglichkeiten erproben oder neue entdecken, wie Reißen, Schneiden (in Streifen, Bänder, unterschiedliche Formen), Knäulen, Knittern, Aufrollen von Streifen, Biegen von Streifen und Formen, Zerstechen, Zerkratzen usw.
Für diese Übung sollten möglichst unterschiedliche Werkzeuge mit entsprechendem Aufforderungscharakter zur Verfügung gestellt werden. Bereits hier kann theatral mit einem entstehenden oder auch von der Lehrkraft vorarrangierten Materialberg experimentiert werden, indem das vertraute Material als fremd erfahren wird und erste theatrale Gesten, Gänge und Haltungen gefunden werden.
Im weiteren...

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