Rezensionen

Dorothea Hilliger
Keine Didaktik der Performativen Künste
Theaterpädagogisch handeln im Framing von Risk, Rules, Reality und Rythm
Berlin: Schibri Verlag 2018
Bereits der Titel lässt erahnen, dass dieses Buch kein gesichertes didaktisches Wissen vermitteln und keine Unterrichtsrezepte liefern will. Das K hier farblich abgesetzt verweist auf einen Gegenstand, dessen Konturen offensichtlich nicht klar zu bestimmen sind. Wie spricht man über einen solchen Gegenstand? In der Einleitung des Bandes machen die Umschreibungen deutlich, dass er sich voreiligen Festlegungen entzieht: Die vorgestellte Didaktik „changiert und „oszilliert, ist „mehrperspektivisch, „komplex und „kurzum: vielstimmig, eine „Denk- und Handlungsfigur des Übergangs.
Dorothea Hilliger fordert die Leserin auf, sich auf die „produktive Unordentlichkeit eines solchen Denkens einzulassen, den ausgelegten Spuren zu folgen oder aber alternative Wege zu gehen. So verweist die Autorin auch auf die Möglichkeit, ihr Buch nicht linear zu lesen, sondern punktuell und kreuz und quer, als Quereinsteiger, netzförmig lesend, als kreative Komplizin. Dafür bietet sie ein alphabetisches Inhaltsverzeichnis und eine Website an, auf der kollektiv an einer Begriffssammlung zur didaktischen Praxis der performativen Künste weitergeschrieben werden kann.
Die Rezensentin ist allerdings eine eher konservative Leserin. Von produktiver Ordentlichkeit geprägt und von der Angst besessen, etwas zu verpassen, folgt sie dem Text nicht alphabetisch, sondern numerisch von Seite 1 zu Seite 198. Aber auch auf diese Weise vermittelt die Lektüre überraschende didaktische Perspektiven.
Die Dimensionen der vorliegenden Didaktik werden zwischen den vier Rs abgesteckt, die der Untertitel der Publikation bereits benennt: Sie bewegen sich zwischen Risk, Rules, Reality und Rhythm. Diese auf die künstlerische Praxis des Performance Kollektivs Gob Squad zurückgehende Setzung wird von Dorothea Hilliger theaterpädagogisch/didaktisch angeeignet und produktiv gemacht. Sie plädiert für eine Orientierung an der Kunst des Theaters, für einen kollektiven und demokratischen Produktionsprozess, für einen engen Bezug zwischen den Ebenen von künstlerischer und sozialer Realität und immer wieder für ein Denken des Übergangs zwischen Kunst und Pädagogik und zwischen Kunst-, Demokratie- und Realitätsbezug.
Im Kapitel Handlungsfiguren wird der so gesetzte Rahmen konkretisiert. Hilliger benennt zunächst drei zentrale Aspekte, die das didaktische Handeln in den performativen Künsten bestimmen: das Kunst-/Theaterverständnis, das Subjektverständnis und die Bestimmung des Verhältnisses zwischen theatraler und sozialer Realität. Am Beispiel dreier theaterpädagogischer Produktionen aus den Bereichen Theater, Tanz und Performance zeigt die Autorin dann die Relevanz dieser Setzungen für die Praxis auf. Die Ergebnisse ihrer Analyse können hier nicht im Einzelnen nachvollzogen werden. Bemerkenswert ist jedoch, wie sie diese Analyse vollzieht und dabei beispielhaft Theorie- und Praxisebene miteinander verknüpft. Auch hier zeigt sich wiederum ihr kunstaffines und konsequentes Denken von Übergängen zwischen Praxisbeispielen und theoretischer Reflexion, Kunst und Pädagogik. Die handlungsleitenden „Memos am Ende jedes Abschnitts sind von der Autorin als Vorschläge angelegt, die zu Ergänzungen herausfordern sollen.
Dorothea Hilliger schreibt aus der Überzeugung heraus, dass das Lehren der performativen Künste eine andere didaktische Praxis brauche. Ihr Buch macht Vorschläge für eine solche andere Praxis und lädt Leserinnen und Leser dazu ein, diese weiterzudenken. Dieser Einladung zu folgen, ist den an theaterpädagogischer Praxis und Theorie Interessierten unbedingt zu empfehlen.
Ulrike Hentschel
Birgit Oelschläger
Bühne frei für Deutsch!
Das Theaterhandbuch für Deutsch als Fremdsprache
Weinheim: Deutscher Theaterverlag 2018
Der Klappentext des von Birgit Oelschläger Lehrerin,...

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