Gabriela Paule

Verfremdung, Verwandlung, Verzauberung

Maskenspiel im Schultheater

Masken sind ein faszinierendes theatrales Element mit einer bis in die Antike reichenden künstlerischen Tradition. Im Schultheater eingesetzt, verfügen sie über pädagogisches Potenzial zur Förderung gelingender Sozialisationsprozesse und entfalten gleichzeitig ästhetische Kraft als wirkungsvolles theatrales Gestaltungsmittel.

Ist im Theater von Maske die Rede, so ist damit in den selteneren Fällen die reale, materielle Maske zum Aufsetzen oder Überstülpen gemeint, sondern meist diejenige Abteilung des Theaters, die in den Verantwortungsbereich des Maskenbildners fällt. Er ist für die Gestaltung des Gesichts oder anderer Körperteile der Schauspieler mittels Schminke und die Konzeption und Ausführung der Frisur zuständig. Der Beruf des Maskenbildners hat sich erst mit der Erfindung des Films und den damit verbundenen neuen Anforderungen an die „Maske des Schauspielers herausgebildet und ging aus dem Beruf des Theaterfriseurs hervor (vgl. Krieger/Beck 2007, S. 624). Die Schminkmaske ist die heute gebräuchlichste Form der Maske, und sie hat ein großes Spektrum an Einsatzmöglichkeiten. Es reicht vom angestrebten natürlichen Ausdruck des Schauspielergesichts über Stilisierungen, Typisierungen oder Uniformierungen durch Farbgebung und Konturen bis zur starken Verfremdung des menschlichen Gesichts, etwa zur Tierfigur oder zum Geisterwesen. Dabei können, die Schminkmaske ergänzend, Teilplastiken zur Veränderung des Schauspielergesichts hinzukommen.
Die Maske als Gegenstand, als geschminktes Gesicht, als Metapher
Neben den Schminkmasken gibt es im Theater eine lange Tradition des Maskenspiels im eigentlichen, engeren Sinne: Nicht das Schauspielergesicht selbst wird zur Maske für eine bestimmte Rolle, sondern es werden gegenständliche Masken verwendet, die der Schauspieler vor dem Gesicht trägt oder über den Kopf stülpt. Dieser Art des Maskenspiels widmet sich das vorliegende Heft hauptsächlich und befragt es auf sein pädagogisch-künstlerisches Potenzial für das Schultheater. Unter einer solchen Perspektive berührt das einen weiteren, metaphorisch gebrauchten Begriff von Maske, wie er in der Soziologie verwendet wird: Auch im Alltag übernehmen, haben, spielen wir verschiedene Rollen und eignen uns eine der jeweiligen Situation angepasste „Maske an, die uns so erscheinen lässt, wie es zur Rolle passt. Die Soziologie spricht deshalb von Rollenmasken, „deren Merkmale als selbstbezogenes wie kommunikatives Ausdrucksrepertoire wesentlicher Bestandteil sozialer Rollen ist (vgl. Eisermann 1991, S. 171, zitiert nach Grünewald 1996, S. 18). Die für soziale Rollen getragenen „Masken umfassen freilich nicht nur das Gesicht, sondern auch Kleidung, verbales und körperliches Verhalten, kurz den gesamten Habitus einer Person. Sie wollen in der Regel gar nicht als Maske wahrgenommen werden, eher im Gegenteil. Dennoch schützen sie die Individualität der Person, weil diese bestimmte Anteile der eigenen Persönlichkeit auch verbergen kann, nicht alles von sich preisgeben muss. Andererseits formen solche Masken ihrerseits die Individualität, da sie immer sozial und kulturell bedingt sind.
Gerade für Jugendliche, die sich mitten im Prozess der Identitätsbildung und Sozialisierung befinden, gehört das Erproben von und Experimentieren mit Rollenmasken, aber auch der damit verbundene, teils massive soziale Erwartungsdruck an das Bild, das man von sich zur Darstellung bringt, zum Alltag. Sowohl in diesem Zusammenhang als auch unter der Perspektive künstlerischer Gestaltung verfügt das Maskenspiel im Schultheater über ein beachtliches Potenzial.
Persönlichkeitsförderung im Maskenspiel
Wird mit Masken gespielt, ist für Spieler wie für Zuschauer klar zu erkennen, dass es sich um symbolische Darstellung handelt und nicht etwa um die Wiedergabe der Realität. Die Maske weist damit von vornherein über die Identität des Spielers hinaus, sie...

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