1. – 10. Schuljahr

Anne Steiner

Viel sagen ohne zu sprechen

Maskenspiel in sprachlich heterogenen Theatergruppen

Wenn die Deutschkenntnisse bei den Mitgliedern einer Theatergruppe sehr unterschiedlich oder insgesamt niedrig sind, ist das Spielen mit Masken sinnvoll: Sie eröffnen Ausdrucksmöglichkeiten ohne verbale Sprache und geben Schutz. Zudem bieten sie im Miteinander Anlässe zum Sprechen und unterstützen damit den Zweitspracherwerb.

Schultheatergruppen sind heute sprachlich oft genauso heterogen wie die Schülerschaft insgesamt: Unter den Spielerinnen und Spielern finden sich sowohl Kinder und Jugendliche, deren Erstsprache Deutsch ist, als auch Kinder und Jugendliche, die Deutsch als zweite oder gar dritte Sprache erwerben, darunter auch Schülerinnen und Schüler aus Übergangs- oder Sprachlernklassen, die erst über basale Deutschkenntnisse verfügen. Sie alle in das Schultheaterensemble zu integrieren ist gerade dann, wenn das Niveau der individuellen Sprachkenntnisse im Deutschen noch sehr uneinheitlich oder insgesamt noch sehr niedrig ist, zwar eine lohnende, aber keine leichte Aufgabe.
Sprache, ganz unabhängig davon, ob es sich um die Erstsprache oder eine Zweitsprache handelt, wird über das Sprechen und das Hören gelernt, über die bedeutungsvolle Interaktion und Kommunikation mit anderen, aber auch über das Lesen und Schreiben und die intensive rezeptive und produktive Auseinandersetzung mit geschriebener Sprache und Schriftlichkeit. Das Theaterspiel bietet einen ganzheitlichen Zugang zu mündlicher und schriftlicher Sprache, es kann sprachliche und performative Kompetenzen anbahnen und neben dem verbalen Ausdruck auch den nonverbalen über Körpersprache, Gestik und Mimik schulen. Es ermöglicht zudem ein Lernen im Kontext, weil das Entwickeln und Spielen eigener Szenen und das Reflektieren eigener und fremder Rezeptionserfahrungen zahlreiche Sprechanlässe bietet und Ausgangspunkt für weitere inhaltliche und sprachliche Recherchen sein kann, die auch den Umgang mit schwierigen, anspruchsvollen Texten und Lernaufgaben schulen.
Gleichzeitig können fehlende Sprachkenntnisse in der Zweitsprache Deutsch das Verstehen eines dramatischen Spieltextes aber auch erschweren oder verhindern, sie stehen zudem der Improvisation entgegen und können die Spielfreude erheblich hemmen, was nicht nur für den theaterkünstlerischen Prozess, sondern auch für den Zweitspracherwerb insgesamt problematisch ist. Es kann Lernende stark demotivieren, wenn die sprachlichen Mittel noch nicht ausreichen, die eigenen Ideen in Worte zu fassen und sie anderen zu vermitteln oder auf der Bühne flexibel zu agieren und auf die Spielangebote anderer zu reagieren.
Maskenspiel (nicht nur) mit DaZ-Lernenden
Das Spiel mit „einfachen, das heißt ohne großen Aufwand herstell- und einsetzbaren Masken (wie z.B. pantomimische Maske, Neutralmaske/weiße Vollmaske, individuelle Papiermaske) kann hier Abhilfe schaffen, weil die Maske sowohl Schutz bedeutet als auch Ausdrucksmöglichkeiten jenseits der rein verbalen Sprache eröffnet, was sich wiederum positiv auf den Zweitspracherwerb insgesamt auswirken kann. Die Möglichkeit, das eigene Gesicht hinter einer Maske zu „verstecken und den Einsatz von verbaler Sprache auf ein Minimum zu reduzieren, lässt nicht nur zweitsprachliche Schülerinnen und Schüler oft befreiter und ungehemmter spielen als ohne Maske und ermöglicht ihnen besondere ästhetische Erfahrungen über die Gestaltung eigener Theaterszenen.
Chancen für sprachliches und theatrales Lernen
Einige Spezifika dieser besonderen Theaterform1 prädestinieren sie für den Einsatz in der Theaterarbeit mit erst- und zweitsprachlichen Lernenden gleichermaßen und dies völlig unabhängig von deren bisherigen Theaterspiel- und Theaterseherfahrungen. Insbesondere dann, wenn der Fokus auf der Einführung in das Maskenspiel und nicht dem Maskenbau liegt, lassen sich aufgrund verschiedener Eigenschaften des Maskenspiels sprachliches und theatrales Lernen sehr gut...

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