1. – 6. Schuljahr

Regina Wurster

Im Theater-Labor

Das „Geschichten-Karussell: ein theaterpädagogisches Verfahren für Grundschulkinder

An der Pädagogischen Hochschule FHNW in der Schweiz wurde ein Verfahren entwickelt, das Grundschulkindern Produktions- und Spielerfahrungen sowie ein Peergroup-Feedback ermöglicht, wie sie häufig an Schulen nicht geboten werden. Das Konzept fördert das Aufgreifen postdramatischer Ansätze, die dann Eingang in die Grundschulen finden können.

Ziehe ich Hans-Thies Lehmanns Buch Postdramatisches Theater aus dem Regal, bleibe ich beim Durchblättern bei den Abschnitten „Text und „Raum hängen. Definiert die Theatertheorie praxisrelevante Aussagen, wird mein Interesse schnell geweckt. Offensichtliche Berührungspunkte zu meinem Arbeitsfeld, dem Theaterschaffen im schulischen Kontext, regen mein Nachdenken an. Hierfür wähle ich eine Herangehensweise pragmatischer Art, die behauptet, postdramatische Verfahren fänden (auch) in der Grundschule statt! SCHÖNE AUSSICHTEN.1 Nur wie, und unter welchen Bedingungen?
Klassisches Schultheater in der Grundschule
Theaterspielen in der Grundschule oder Primarschule, wie sie in der Schweiz heißt, findet häufig statt. Manchmal trifft man hierfür folgende konservative Settings an: Die Klassenlehrerin studiert ein Musical mit ihren Schülerinnen und Schülern ein, im Musikunterricht werden die Lieder gelernt, die großen Rollen bekommen diejenigen, die am besten auswendig lernen können, vor Probenbeginn müssen die Texte bei allen intus sein und die Vorstellungen finden auf der Bühne des Gemeindesaals statt. Oder der Lehrer erarbeitet ein Stück für die Abschlussfeier, dafür werden im Werkunterricht Bühnenbilder gezimmert und bemalt, die Kostüme näht die Lehrerin für das Textile Gestalten oftmals in der Freizeit, manchmal mit Hilfe einzelner Mütter, und der Text wird in einem Theaterverlag bestellt. Traditionen in der Herangehensweise und Konventionen in der Stückwahl geben sich die Hand. DIE GELBE WAND.
Die Arbeitsprämissen „Wir tun so, als wären wir Sprechschauspieler, wir tun so, als hätten wir ein Bühnenbild, wir tun so, als hätten wir ein Kostümkonzept, wir tun so, als hätten wir eine Bühnentechnik …“ werden leider oftmals zu großen Stolpersteinen. Die Qualität der Produktionen ist suboptimal, die Kinder erfahren wenig Ausbau ihres Spielpotenzials, der Innovationsgehalt ist gering und die Theaterästhetik wird ausschließlich konventionell vermittelt. Diese Ausprägung von Schultheater ist leider immer noch häufig anzutreffen. Erfreulicherweise wird aber auch der Kreis der Grundschullehrerinnen und -lehrer, die eine aktuelle und zeitgenössische Kulturvermittlung anstreben, immer größer.
Niederschwelliges Mitmach-Format
Für all diejenigen Lehrerinnen und Lehrer ohne theaterpädagogische Ausbildung, die die spezifischen Produktionsbedingungen nicht als eine Aneinanderreihung von Missständen, sondern als kreatives Potenzial begreifen, entwickelte die Beratungsstelle Theaterpädagogik ein niederschwelliges Mitmachprojekt, das als leicht zugängliches Format die Qualität der Schultheaterproduktionen effizient und unkompliziert steigern und die Ausdruckskompetenz der Kinder erhöhen soll: das „Geschichten-Karussell. UNTERWEGS. Es ist ein Verfahren, das der Suche nach einer neuen Ästhetik und einer erweiterten theaterpädagogischen Erarbeitungsweise entspricht.
Das „Geschichten-Karussell
Die mitwirkenden Schulklassen werden eingeladen, sich zu einem vorgegebenen Thema mit Texten und Szenen, Bewegungsabläufen und Choreografien, Liedern und Erzählungen auf der Bühne zu präsentieren. Ein solches Thema kann zum Beispiel der Begriff ZAHLEN sein.
In einem Zwei-Monats-Rhythmus finden diese Aufführungen am Campus Brugg-Windisch der Pädagogischen Hochschule statt. Je zwei Klassen zeigen sich gegenseitig an einem Nachmittag ihre Produktionen, die sie zum selben Thema erarbeitet haben. Zwei weitere Klassen, die zukünftigen Spielerklassen, sind ebenfalls zu Gast.
Im...

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