Dorothee Barth (Hrsg.):
Musik. Kunst. Theater.
Fachdidaktische Positionen ästhetisch-kultureller Bildung in Schulen.
Osnabrück: epOs-Verlag 2016
Mit Musik. Kunst. Theater. ist ein von Dorothee Barth herausgegebenes Buch erschienen, das aus einem fachdidaktischen Dialog an der Universität Osnabrück hervorgegangen ist. Es versammelt Schriften von Autorinnen und Autoren, die aus der Bildungspraxis und der Forschung heraus den jeweiligen Diskurs in den Fächern entscheidend mitgestalten. Dabei werden Gemeinsamkeiten ausgelotet, aber ebenso konsequent die Unterschiede, um nicht zu sagen Abgrenzungen, deutlich aufgefächert. Verbindend sind insbesondere die ästhetische Praxis und die Reflexion. Verbindend ist aber auch die durchaus begründete! Sorge vor Marginalisierung im Gesamtsystem Schule, also im Zuge von Reformprozessen auf der Verliererseite zu stehen. Wie unverzichtbar für eine umfassende Bildung dagegen alle drei Fächer sind, gerade in ihren Besonderheiten, wird mit jeder Zeile erfahrbar. So stemmen sich die Autorinnen und Autoren konsequent dagegen, ihre Fächer im Sinne von positiven Transfereffekten auf andere, vermeintlich wichtigere Fächer oder für erwünschte Sozialkompetenzen instrumentalisieren zu lassen. Denn den erhofften politischen Erfolg haben solche Rechtfertigungsstrategien in der Vergangenheit nicht einspielen können. Darüber hinaus, und dies ist sicherlich noch relevanter, führen sie dazu, dass die fachlichen Ansprüche aufgeweicht werden und die jeweilige Eigenständigkeit noch mehr zur Disposition steht.
Erhellend, und ja, durchaus auch spannend, sind die Darstellungen vielfältiger, unterschiedlicher und vor allem im Fach Kunst konträrer Positionen aus der Fachdidaktik, also dazu, was guten Unterricht gelingen lässt. Dass jede Zeit mit ihren Vorstellungen zu Erziehung, zu Bildung und mit ihrer politischen und gesellschaftlichen Verfasstheit die Fächer dazu zwingt, sich immer wieder neu zu erfinden, wird anschaulich dargestellt. Auffällig ist, dass dieser Diskurs im Falle von Theater von einem einigermaßen breiten Einverständnis zwischen den Akteuren getragen wird. Das mag daran liegen, dass Theater das am wenigsten institutionalisierte der drei Fächer ist und nachdrücklich um seine Aufnahme in den Kanon der Pflichtfächer kämpft. Zu wenig problematisiert wird in diesem Zusammenhang allerdings die einfache Rechnung, dass mutmaßlich jede Platzierung von Theater in der regulären Stundentafel zu Lasten der anderen, etablierten ästhetischen Fächer geht, aber niemals auf Kosten einer Natur- oder Sozialwissenschaft, einer Sprache oder von Mathe. Dabei hält der Exkurs in die wechselvolle Historie des Schultheaters (Gunter Mieruch) manches Aha-Erlebnis bereit, zeigt er doch auf verblüffende Weise, wie dezidiert Theater an Schulen bereits vor Jahrhunderten auch als eigenständige Theaterform gedacht und praktiziert wurde.
Weit ausdifferenziert werden die Bezugsfelder Ästhetische Praxis, Ästhetische Forschung, Ästhetische Erziehung und Ästhetische Bildung. Was zunächst wie ein akademischer Streit klingt, ist das notwendige Ringen nach dem Selbstverständnis der Fächer, nach Positionsbestimmungen, ein Ausloten unterschiedlicher Sichtweisen und Unterschiede im Denken. Die Musik-Beiträge von Christopher Wallbaum und Jürgen Oberschmidt vermögen dabei auch Bezüge zur Bildenden Kunst und zu Formen des Theaters herzustellen, was sich aber keineswegs wie die Einladung zu einer völlig unangebrachten Fächerfusion liest, sondern schlicht das nachvollzieht, was im kulturellen Leben außerhalb der Schule Realität ist. Spannend wird das Buch überall dort, wo ein Autor sich kritisch und streitbar über den Konsens hinauswagt, etwa Martin Klinkner, der einer unter vielen Kunst-Fachdidaktikern verbreiteten Ausdehnung des Begriffs „Bild auf alle Gestaltungsformen von Kunst über Architektur bis Alltagskultur entgegentritt.
Die Musikpädagogin Susanne Dressler schließt das Buch mit einem...

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