1. – 13. Schuljahr

Barbara Schlatterbeck, Ingmar Saal

Räume in bewegten Bildern

Die Erweiterung der Bühne mit Mitteln des Films

Der Videoeinsatz im Theater ist mittlerweile auf fast allen Bühnen üblich, und auch im Schultheater werden filmische Projektionen häufig eingesetzt. Wie wird durch solche Einspielungen der Bühnenraum erweitert und in welchem Verhältnis stehen die filmisch etablierten Räume zum Bühnengeschehen?

Ob vorab produziert oder auf der Bühne mit der Handkamera live erzeugt: Mit Filmprojektionen kann der gegebene reale Spiel-Raum nahezu beliebig räumlich erweitert werden. Das folgende Beispiel soll zeigen, wie sich durch Film die räumliche Atmosphäre und die Wirkung des gesamten Stücks verändern und wie sich durch filmische Mittel die darstellerischen Möglichkeiten der Akteure erweitern lassen.
Theater und Film
Es gilt zunächst den Unterschied zwischen einer Darstellung auf der (Guckkasten-)Bühne und einer filmischen Darstellung, speziell in Bezug auf den Raum, festzuhalten:
Auf der Bühne wird der Raum in heutigen Inszenierungen meist nur angedeutet. Er ist oft abstrakt und metaphorisch oder symbolisch aufgeladen und spielt insofern eine wichtige Rolle für die Aussage. Seine Dimensionen sind festgelegt, seine Gestaltung lässt sich nur bis zu einem gewissen Grad verändern. Dem Zuschauer erschließt sich das Geschehen im Wesentlichen durch die Beobachtung der sprechenden und handelnden Personen, die folglich im Mittelpunkt stehen. Stets aber gilt es eine gewisse Distanz zu überwinden: Der Zuschauer erlebt das Geschehen auf der Bühne immer aus einer festgelegten, nicht aufzuhebenden räumlichen Entfernung.
Im Film ist der Raum meist realistisch, auch wenn er sich von unserer eigenen Wirklichkeit unterscheiden kann. In häufigen Wechseln spielt er oft eine große Rolle für das Geschehen und für das Erleben des Zuschauers. Der bedeutendste Unterschied zwischen Film und Theater ist aber: Der Film hat die Möglichkeit, uns durch wechselnde bewegte Bilder, in denen nicht unbedingt der Mensch im Zentrum steht, durch wechselnde Distanzen und Perspektiven in das Geschehen hineinzuziehen.
Der Film im Theater
Der Film im Theater öffnet neue Räume auf der Inhalts- und der Bedeutungsebene. Er steuert die Wahrnehmung und gibt interpretatorische Hinweise oder verhindert eindeutige Aussagen. Er dient unterschiedlichen Absichten mit einer Fülle von Möglichkeiten.
  • Er spielt mit den Sehgewohnheiten im Theater.
  • Er schafft symbolische und konkrete Räume.
  • Er verstärkt bestimmte Aspekte, vergrößert sie, lenkt den Blick.
  • Durch Kontrast und Verfremdung schafft er Distanz und gibt Raum für eigene Interpretationen.
  • Er evoziert, vor allem in Verbindung mit Musik, Emotionen oder verstärkt sie.
  • Er gibt einen Einblick in die Psychologie der Figuren, indem er Verborgenes, etwa Träume oder gedankliche Vorstellungen einer Person, zum Vorschein bringt.
Es gibt viele Möglichkeiten, Film in eine Inszenierung einzubeziehen:
  • Der Film wird auf eine Leinwand, auf Kulissen oder auf Gegenstände mit einer geeigneten Oberfläche wie Folien, Papierobjekte, Kartons, Kühlschränke oder auch Körper projiziert.
  • Der Filmeinsatz ist das Grundprinzip der Inszenierung oder Filme werden nur punktuell eingespielt.
  • Der Film ist vorgefertigt oder es wird im Spiel mit Live-Projektionen gearbeitet, die mit einer Handkamera erzeugt werden. Beispielsweise wird durch den Zoom auf Pflanzen, die sich auf der Bühne befinden, eine wilde Naturlandschaft auf der Projektionsfläche geschaffen.
  • Der Film zeigt eine mögliche Variante eines Geschehens oder gibt das Geschehen aus der Perspektive einer anderen Person wieder.
  • Der Film zeigt simultane Handlungen, einen Rückblick oder eine Vorausdeutung.
  • Eine Handlung wird verfremdet, indem sie in ein anderes Genre, etwa in einen Trickfilm, übertragen wird.
  • Zoom, Bildbearbeitung, Zeitraffer, Slow Motion und andere Effekte dienen der Verstärkung oder Verfremdung von Bildern.
  • Der Film erzeugt symbolische Räume, etwa mit...

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