1. – 13. Schuljahr

Christoph Scheurle

Theater-Spiel-Raum

Der Raum als Mitspieler

Von der Antike bis heute wird Theater an unterschiedlichsten Stätten gespielt. Die jeweiligen Orte des Theaters eröffnen dabei ganz eigene Spielräume für eine Inszenierung.

Die Frage nach dem Theaterraum ist nichts anderes als die Frage nach dem Verhältnis von einem Ort, an dem sich eine Darstellung abspielt, und den Akteuren, die sich an diesem Ort befinden dazu gehören nicht nur die Darstellerinnen und Darsteller, die sich auf einer wie auch immer gearteten Bühne vor einem Publikum zeigen, ebenso gehören die Zuschauerinnen und Zuschauer dazu.
Das Verhältnis vom Theaterraum zu den Akteuren ist dabei wechselvoll. Die unterschiedlichen theaterprogrammatischen Ansätze haben dabei genauso zur Veränderung des Bühnenraums beigetragen wie umgekehrt die Bühne beziehungsweise wechselnde Raumkonzepte die Form der Darstellung beeinflusst hat (vgl. Gromes 2005, S. 57).
Orte für das Spiel und Orte für das Publikum
Der Raum lässt sich dabei mehr oder weniger systematisch in Orte unterteilen, die dem Publikum, und Orte, die den Spielerinnen und Spielern vorbehalten sind. Der Begriff Theater bezeichnete dabei ursprünglich im antiken Griechenland den Zuschauerraum (Theatron = Raum zum Schauen), während die damals ausschließlich männlichen Schauspieler auf der Bühne agierten. Diese unterteilte sich in die dem Chor vorbehaltene runde Orchestra und einen schmalen Platz (Logeion) vor der Skene, auf dem die Protagonisten auftraten. Erst später bezeichnete der Begriff Theater die ganze Anlage. Die Skene (gr.: Zelt) zunächst ein Gebäude aus Holz, später aus Stein diente dabei als Requisitenkammer und Auftrittsmöglichkeit für die Protagonisten (s.Abb.1 ).
Die Dreiheit von Publikumsraum, Orchestra dem späteren Orchestergraben, der Publikum und Schauspieler trennte sowie der Bühne in Form von Logeion und Skene lässt sich also von den frühesten Anfängen des (europäischen) Theaters feststellen. War zunächst der Chor, der auf der Orchestra Geschehen und Fortgang der Handlung kommentierte, besonders wichtig, so verlagerte sich mit der wachsenden Zahl der Einzeldarsteller und der damit steigenden Bedeutung der Protagonisten das Geschehen mehr und mehr von der Orchestra auf Logeion und Skene, die als Auftrittsort für die Protagonisten und Göttererscheinungen genutzt und seit Sophokles auch malerisch ausgestaltet wurde.
Bühnenbilder und vierte Wand
Mit diesen ersten Bühnenbildern in der hellenistischen Spätzeit wurde ein für das Theater folgenreicher Trend gesetzt: Illusionistische Bilder markieren die Bühne als Raum, in dem sich Dinge außerhalb der sozialen Wirklichkeit abspielen. Bereits hier wurde eine vierte Wand zwischen Publikum und Schauspiel etabliert, die spätestens im 18. Jahrhundert für das Schauspiel im bürgerlichen Theater zu einem Dogma wurde. So formulierte der französische Philosoph und Schriftsteller Denis Diderot in seiner Schrift Von der dramatischen Dichtkunst 1758 eine der wohl folgenreichsten Normen für die Schauspielkunst: „Man denke [], sowohl während dem Schreiben als während dem Spielen, an den Zuschauer ebenso wenig, als ob gar keiner da wäre. Man stelle sich an dem äußersten Rand der Bühne eine große Mauer vor, durch die das Parterre abgesondert wird. Man spiele, als ob der Vorhang nicht aufgezogen würde. (Diderot 1888, S. 437)
Geschlossener Raum und Guckkastenbühne
Mit einher ging dabei die Institutionalisierung des Theaters und seine Etablierung im geschlossenen Raum ab dem 16. Jahrhundert hatte es begonnen, sich dorthin zu verlagern, und die auf den Marktplätzen provisorisch aufgebauten Simultanbühnen, auf denen beispielsweise Passionsspiele direkt unter dem anwesenden Publikum aufgeführt wurden, verschwanden. Die möglichst getreue und illusionistische Darstellung der Welt in der sogenannten Guckkastenbühne (deren Name sich allerdings erst im 18. Jahrhundert durchsetzte) wurde zum vorherrschenden Modell...

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