1. – 13. Schuljahr

Norbert Meisenberg

Zwischen Sprossenwandund Sprungkasten

Die Sporthalle als Theaterraum

Wenn andere geeignete Aufführungsorte in der Schule fehlen, bleibt oft nur, die Sporthalle zu nutzen. Wie vielseitig sich dieser Raum bespielen lässt und was es dabei zu beachten gilt, zeigt dieser Beitrag.

Viele Theaterlehrerinnen und -lehrer, insbesondere an Grundschulen, stehen vor demselben Problem: Es fehlt an geeigneten Räumlichkeiten für ihre Theaterarbeit. In der Regel sind Aulen, so vorhanden, nur bedingt für Schüleraufführungen geeignet, häufig mangelt es zudem an der technischen Ausstattung und den Verdunklungsmöglichkeiten. Häufig sind Aulen inzwischen auch im Zug der Installation des Ganztagsbetriebs zu Mensen umfunktioniert worden und/oder werden für die Ganztagsbetreuung genutzt. Vorhandene Mensen oder Mehrzweckräume sind, wie es der Name schon sagt, einer täglichen Mehrfachnutzung unterworfen und daher nur bedingt für eine professionelle Theaterarbeit nutzbar.
Die Sporthalle als Theaterraum
Oft bietet sich neben der Aula meist nur die Sporthalle als von der Größe her geeigneter Veranstaltungsort an. Bespielt man eine Sporthalle, gilt es zu bedenken, dass dieser Ort häufig kaum mit vergnüglichem Theater und lustvollem Spiel, umso mehr mit Anstrengung, Wettbewerb und körperlicher Ertüchtigung konnotiert wird.
Diese Aura muss jedoch nicht zwangsläufig auf Spieler, Akteure und Besucher einwirken, wenn die Sporthalle zum Veranstaltungsort mit vielfältiger Nutzung zweckentfremdet und damit für die Schulgemeinde auch zu einem Ort gänzlich anderer Empfindungen wird, etwa bei Einschulungs- und Abschlussfeiern, Faschingsfesten, Gedenkfeiern, Zirkusvorstellungen oder eben auch Theateraufführungen. Um dies zu erreichen, scheinen mir folgende Veränderungen unabdingbar:
  • Einrichtung einer Verdunklung und einer mobilen Lichtanlage Ohne Verdunklung bleiben Lichtstimmungen und Lichtregie wirkungslos. Wie hilfreich eine Lichtregie sein kann, wird man merken, wenn man eine Aufführung mit simultanen oder wechselnden Spielorten inszenieren möchte. Da es in der Regel auch keinen Bühnenvorhang gibt, geben das Black und das Arbeitslicht für die Spielerinnen und Spieler wichtige Hinweise für das jeweilige Szenenende, für Umbaupausen und Ähnliches, die es den Darstellerinnen und Darstellern erleichtern, die szenische Abfolge zu internalisieren und die Aufführung weitgehend selbstständig zu realisieren. Zudem schafft eine wirkungsvolle Lichtregie Stimmungen, die das Spiel deutlich ausdrucksstärker erscheinen lässt.
  • Einsatz einer mobilen Tonanlage: Kaum eine Aufführung kommt ohne Musikeinspielungen aus. Damit diese punktgenau beginnen und störungsfrei ablaufen, empfiehlt sich der Einsatz digitaler Datenträger.
  • Ein Teppichboden schützt nicht nur den Hallenboden, sondern dämpft auch die Schritte, verbessert die Akustik und verändert die Raumatmosphäre.
  • Mobile Bühnenpodeste strukturieren die Bühne in verschiedene Raumebenen und/oder geben den Zuschauern freie Sicht auf das Bühnengeschehen.
Nutzungskonzepte der Sporthalle als Theaterraum
Die Funktionalität der Sporthallenarchitektur bietet, wenn man von den fest installierten Turngeräten einmal absieht, einen weitgehend leeren Raum. Diesen kann man auf unterschiedliche Weise für das Theater nutzbar machen:
A. Stationentheater
Die Größe und Offenheit einer Sporthalle ermöglichen die Einrichtung verschiedener Stationen, die sowohl nacheinander als auch simultan bespielt werden können, zum Beispiel nach mittelalterlichen Vorbildern der Mysterien- und Passionsspiele, bei denen sich die Zuschauer von Aufführungsort zu Aufführungsort bewegen, um dem Geschehen zu folgen.
Da dabei häufig die klare Trennung zwischen Spielraum und Zuschauerraum aufgegeben ist und die Zuschauer dadurch leicht, absichtlich oder unabsichtlich, ins Geschehen hineingezogen werden, stellt dies allerdings an die Spieler eine zusätzliche Herausforderung.
Denkbar wäre die Einrichtung verschiedener...

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