5. – 13. Schuljahr

Virginia Thielicke

Das war gut! Und weiter?

Konstruktive Feedbackgespräche im Probenprozess

Reflexionsgespräche können den kreativen Prozessen während der Proben entscheidende Impulse geben. Allerdings folgen konstruktive Rückmeldungen bestimmten Regeln. Das Geben und Nehmen von Feedback bedarf zudem einiger Übung.

„Das war gut! Diese oder ähnliche Aussagen kennen viele Lehrkräfte aus der Theaterarbeit mit Schülerinnen und Schülern. Häufig bewerten diese im Unterricht Präsentiertes knapp als „war gut oder „war schlecht. Dabei überwiegen in den ersten Theaterstunden meist die positiven Formulierungen, da sich Kinder und Jugendliche untereinander häufig solidarisch verhalten und sich vor der Lehrkraft nicht kritisch über die Spielangebote ihrer Mitschüler äußern möchten.
Ein Feedback ist kein Schlusspunkt
Diese Beobachtung zeigt uns als Theaterlehrern, wie wichtig es ist, den Lernenden den Sinn von Feedback zu vermitteln: Eine Rückmeldung im Rahmen von Gestaltungsprozessen ist nicht mit einer Bewertung des Geleisteten im Sinne eines Benotens oder einer binären Kategorisierung in „gut oder „schlecht zu verwechseln.
Sie ist vielmehr ein wichtiges und zentrales Instrument im Entwicklungsprozess einer Aufführung, das es im Unterricht mit allen Beteiligten gemeinsam zu erarbeiten gilt. Das Feedback reicht vom Austausch über die Gestaltung von Szenen und ihre möglichen Wirkungen auf ein Publikum bis hin zur Auseinandersetzung mit konzeptionellen Fragen der Inszenierung (s. auch Kasten „Methode).
Dafür ist es erstens wichtig, dass Schülerinnen und Schüler den Zusammenhang zwischen den eingesetzten ästhetischen Mitteln und ihrer spezifischen Wirkung verstehen und zweitens die detaillierte Rückmeldung aus Zuschauerperspektive als willkommene Hilfestellung begreifen, um diese bewusst einzusetzen und zu verändern. Die Perspektive für die kollektiven Auswertungsgespräche besteht somit im Wert des Besprochenen und Gefundenen für die Weiterarbeit und ist in den meisten Fällen eben nicht dessen Endpunkt. Dies wäre lediglich beim Feedback zu einer (Schüler-)Aufführung der Fall wobei sich aus Gesprächen dieser Art häufig ebenfalls Konsequenzen für die nächste (Schultheater-) Produktion ziehen lassen.
In einem kreativen Produktionsprozess wechseln sich Phasen des Machens (Spielen, Gestalten) immer wieder mit Phasen des Denkens (Analysieren, Verstehen, Deuten) ab, sodass sich Machen und Denken gegenseitig durchdringen und bereichern. Hier gilt es, ein ausgewogenes Verhältnis zu etablieren. So sinnvoll es ist, immer wieder Reflexionsgespräche einzubauen, in denen Wirkweisen analysiert und Alternativen diskutiert werden, so wenig sollte man Dinge totreden. Ab einem gewissen Punkt gilt es, wieder ins Spiel einzusteigen und Verbesserungen und Vorschläge praktisch auszuprobieren, denn deren angenommene Wirkung lässt sich so am besten überprüfen.
Konstruktive Rückmeldungen bringen die Arbeit voran
Wie kann ein Feedback aussehen, das den Probenprozess im Hinblick auf eine gelungene und stimmige Aufführung voranbringt? Ein Praxisbeispiel soll hier Klarheit schaffen. Im Folgenden rekonstruiere ich ein Feedbackgespräch aus meinem letzten Oberstufenprojekt Faust III eine Eigenproduktion, die sich mit den Wünschen und Verantwortlichkeiten der Jugendlichen in unserer Gesellschaft beschäftigt. Zu Beginn stand der Versuch, eine Disneyprinzessinnen-Traumwelt aufzubauen, die von den Schülerinnen und Schülern nach und nach in Frage gestellt wird. Die Gestaltungsaufgabe bestand darin, eine Szene zu entwickeln, in der das Einkleiden einer Prinzessin pantomimisch dargestellt wird.
Um an die Schüleraussage „Das war gut! anzuknüpfen, fragte ich, warum die Szene als gelungen empfunden wurde. Die Schülerinnen und Schüler führten an: „Weil sie wirklich wie eine Prinzessin aussah.
„Wie wurde das erreicht? Beschreibe, was gemacht wurde. „Die Spielerin hat aufrecht gestanden, hat den Kopf ganz gerade gehalten, als...

Weiterlesen im Heft

Vorteile im Abo

Exklusiver Online-Zugriff auf die digitalen Ausgaben der abonnierten Zeitschrift
Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen