5. – 13. Schuljahr

Thomas Richhardt

In der Titelschmiede

Eine Schreibwerkstatt im Prozess der Stückentwicklung

Ein gemeinsam gefundener Titel motiviert für den Prozess der Stückentwicklung und schweißt die Gruppe zusammen. Im Rahmen einer Schreibwerkstatt werden zudem vielfältige sprachliche Kompetenzen gefördert.

Die Schreibwerkstatt zur Titelfindung bringt (sprachliche) Impulse für die Arbeit am Stück sowie zu den Dialogen der Figuren mit. Die Titelschmiede fördert das Sprachbewusstsein und die Sprachreflexion, sie erweitert den Wortschatz der Beteiligten und integriert das verbale Potenzial der Theaterarbeit organisch in den Stückentwicklungsprozess. Außerdem sorgt das Resultat im Idealfall dafür, dass die Theatergruppe mit einem innovativen, ansprechenden und vor allem gemeinsam gefunden Titel Aufmerksamkeit beim Publikum für ihr Werk gewinnt.
Die Schreibwerkstatt ist in drei Phasen gegliedert und dauert ca. 90 bis 120 Minuten. Sie kann ab dem Zeitpunkt angeboten werden, an dem die Gruppe die ersten Dialoge und Rollentexte ihres Stückes verschriftlicht hat. Alle Schritte werden gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern durchgeführt, damit die Titelschmiede von Anfang als partizipativer Prozess wahrgenommen wird. Als Materialien für die Werkstatt werden ca. 120 leere DIN-A4-Blätter sowie einige dicke Filzstifte benötigt.
Phase 1: Material sammeln
Das Rohmaterial für die Titelschmiede sind die Begriffe aus dem Stück, das gerade entwickelt wird. Dazu werden einzelne Wörter gesammelt und in großen Buchstaben jeweils auf DIN-A4-Blätter geschrieben.
Die Substantive, Verben und Adjektive, die bei diesem Brainstorming genannt werden, können tatsächliche sowie „gefühlte Begriffe aus dem Stück sein, d.h. sie müssen nicht zwangsläufig wörtlich im Stücktext auftauchen. Alles, was mit den Inhalten des Stückentwicklungs-Prozesses assoziiert wird, ist erlaubt.
In einer zweiten Sammlungsrunde wird das verbale Umfeld der Suche erweitert. Die Schülerinnen und Schüler fügen zu den Wortmaterialien Fachbegriffe aus dem thematischen Umfeld des Stückes hinzu und schreiben sie ebenfalls in großen Buchstaben auf einzelne DIN-A4-Blätter. Dieser Arbeitsschritt kann auch dazu dienen, sich darüber bewusst zu werden, welches Fachvokabular oder welche Idiome manche Figuren voraussetzen und vielleicht auch noch ins Stück eingebaut werden sollten.
Schließlich kann man noch einige Lautworte beifügen, die (wie im Comic) Gefühle ausdrücken („Seufz, „Kreisch, „Ups). Am Schluss der Vorbereitung sollte eine Sammlung von ca. 100 Begriffen auf DIN-A4-Blättern stehen. Nun geht es mit diesem Material in die Titelschmiede.
Phase 2: Titel erfinden
Ein Titel sollte einen möglichst starken Eindruck machen. Er gibt nicht nur einen Hinweis darauf, wovon das Stück handelt, sondern vermittelt im Idealfall auch einen sinnlichen Vorgeschmack des Gesamtwerks. Die Lust an der Sprache und am Sprachspiel kann bereits mit dem Titel signalisiert werden das Publikum bekommt mit einer kreativen Bezeichnung des Stückes einen Eindruck von der spielerischen Qualität der Aufführung. Es ist daher bei der Titelfindung von Vorteil, wenn die Gruppe wirklich von Sprache begeistert ist. Deshalb werden im Folgenden verschiedene Möglichkeiten aufgeführt, mit denen sich kurze und aussagekräftige Titel spielerisch finden lassen.
Die Begeisterung für die hier vorgestellten neuen Formen können das Feuer bilden, in denen das sprachliche Rohmaterial zu herausragenden Schlagwörtern geformt wird. Deshalb bietet es sich an, zunächst eine der folgenden Möglichkeit vorzustellen und diese im Anschluss sofort auszuprobieren, bevor es an das Vorstellen und Ausprobieren der nächsten Möglichkeit geht. Auch bei der Titelschmiede gilt: Man soll das Eisen schmieden, solange es heiß ist.
Erste Möglichkeit:
ein Oxymoron bilden
Die Aufgabenstellung kann allein oder in Kleingruppen angegangen werden. Grundlage sind die in der vorausgegangen Phase gesammelten Begriffe. Aus...

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