5. – 13. Schuljahr

Katharina Nuding

#SPRACHLERNENDESSPIEL

Wie Sprachlernende im Theater eine eigene Sprache finden können

Das Hannoveraner Theaterprojekt „#sprachlernendesspiel besuchen Woche für Woche fast 200 Zehn- bis Siebzehnjährige aus über 30 Ländern. Die Tipps aus dem Projekt zeigen, wie transkulturell verständliche und inklusive Theaterarbeit gelingen kann.

Bei Projekten, die Theater und Sprachförderung bewusst verbinden, wird Theater häufig als Methode oder als Tool zur Unterstützung praktiziert. Beim Hannoveraner Projekt #sprachlernendesspiel dagegen liegt der Akzent auf den künstlerischen Wahrnehmungs- und Gestaltungsprozessen der Theaterarbeit selbst.
In wöchentlichen Theaterproben arbeiten je zwei Studierende aus dem Studiengang Darstellendes Spiel ein Jahr lang mit einer Gruppe von Sprachlernenden. In dieser Zeit besuchen sie zwei Theateraufführungen. Die Besonderheiten der zehn- bis fünfzehnköpfigen Gruppen und die individuellen Bedürfnisse der Teilnehmenden dienen als Ausgangspunkt für einen sozialen und ästhetischen Prozess, der nach einem Schuljahr in eine Abschlusspräsentation aller Gruppen mündet.
Eine Probensprache finden
Durch die Diversität in den Sprachlernklassen haben sich bestimmte Ansätze und Strategien der theatralen Praxis gruppenübergreifend bewährt:
  • Die Funktion von Sprache in Übungen und dem gesamten Probenprozess wird grundsätzlich aufmerksam geprüft und angepasst. Ziel ist es, in klaren, kurzen Sätzen zu sprechen, ohne in foreigner talk zu verfallen.
  • Es wird jederzeit überlegt, ob eine verbale Erklärung überhaupt notwendig ist.
  • Es herrscht eine Grundhaltung, die die Kommunikation mit Sprachlernenden nicht als Hürde versteht, sondern als Wachstumspotenzial.
  • Individuelle Differenzierungen werden in allen Belangen vorgenommen, die präzise Vorbereitung, aufmerksame Beobachtung und Flexibilität erfordern.
So werden die im Folgenden beschriebenen transkulturell verständlichen, subjektorientierten und inklusiven Vorgehensweisen im Theaterprozess umgesetzt.
Zeigen und visualisieren
Nonverbale Aktionen oder Visualisierungen können gezielt verbale Erklärungen ersetzen oder illustrieren. So wird die Gruppe ohne Druck, in der neuen Sprache öffentlich kommunizieren zu müssen, „abgeholt. Mit Visualisierungen sind beispielsweise Fotos, Tafelbilder, Videos, Plakate, Spielkarten und Gegenstände gemeint, die sowohl geplant als auch spontan eingesetzt werden. Zeigen und Visualisieren eröffnen einen niederschwelligen Zugang und etablieren eine theatrale Kommunikationsstrategie für die Sprachlernenden, auf die sie selbst zurückgreifen können. Einige Beispiele:
Stiller Anfang
Diese Übung verzichtet auf sprachliche Kommunikation: Die Spielleitung bittet die Gruppe durch eine Geste in einen Kreis und streckt dann die linke Hand waagerecht nach vorn bis alle Mitglieder der Gruppe ebenfalls ihre linke Hand nach vorn gestreckt halten. Daraufhin fängt die Spielleitung an, das linke Handgelenk zu kreisen, bis alle mitmachen. Weitere Bewegungen werden vorgemacht und nachgeahmt bis ein gemeinsames Ende der Bewegungsabfolge gefunden wird.
Nonverbales Klatschritual
Die Gruppe wiederholt spielerisch variierende Klatschrhythmen, die die Spielleitung vorgibt, bis alle mitklatschen und sich auf den nächsten Impuls konzentrieren. Dieses Ritual wird an Gelenkstellen zur Phasierung der Probe genutzt und schafft neue Aufmerksamkeit innerhalb der Gruppe.
Gestenrepertoire
Durch klare Gesten können verbale Ansagen und Schlüsselbegriffe in der Kommunikation illustriert oder ersetzt werden. Dadurch dienen sie als visuelle Orientierung für die Sprachlernenden und ergänzen das Spielleitungsvokabular.
Besonders bewährt haben sich Gesten, wenn die Raumsituation in den Proben gewechselt wird. Beispiele: „Kommt in einem KREIS zusammen.
Setzt euch ins PUBLIKUM.
Geht durch den RAUM.
Visualisierte Vokabelkarten
Sobald neue Begriffe oder Wortfelder zum Thema, zur Fachsprache des Theaters oder zu Klassenregeln...

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