3. – 13. Schuljahr

Gabriela Paule/Anne Steiner

Theater und Sprache

Sprachliche Dimensionen des Theaterunterrichts

Wie jeder Fachunterricht erfordert und fördert der Theaterunterricht sprachliche Fähigkeiten, die fachliches Lernen ermöglichen. Aber im Theaterunterricht dient Sprache nicht nur als Medium der Vermittlung fachlicher Inhalte, sondern wird auch selbst zum Lerngegenstand.

Theaterunterricht ist Fachunterricht. Wie in jedem anderen Unterricht kann fachliches Lernen nur gelingen, wenn Schülerinnen und Schüler über dafür notwendige sprachliche Fähigkeiten verfügen. Auch im Theaterunterricht muss sich also die Lehrkraft bewusst machen, welche fachspezifischen sprachlichen Fähigkeiten benötigt werden und wie diese im Theaterunterricht selbst zu fördern sind. So werden beispielsweise Feedback-Gespräche im Probenraum fachlich fundierter, präziser und nachhaltiger, wenn die Beteiligten fachsprachliche Begriffe, etwa zu theatralen Zeichen, aktiv verwenden können. Auch die Rollenarbeit wird intensiver, wenn verschiedene sprachliche Register schriftlich und mündlich variabel zum Einsatz kommen können.
Hinzu kommt beim Theaterunterricht, dass der Gegenstand des Lernens nicht nur sprachlich vermittelt wird, sondern selbst zum großen Teil ein sprachlicher ist: Theater kommuniziert in der Regel über Verbal- und/oder Körpersprache. Im Theaterunterricht ist Sprache also nicht wie beispielsweise in naturwissenschaftlichen Fächern hauptsächlich ein Medium der Vermittlung fachlicher Inhalte, sondern selbst Lerngegenstand.
Sprachliche Handlungsfelder des Theaterunterrichts
Das vorliegende Heft nimmt diese sprachliche Dimension des Theaterunterrichts in den Fokus. Dabei geht es uns nicht vorrangig darum, das Theater unter der Zielperspektive der Sprachförderung zu funktionalisieren und in den Dienst zu nehmen, sondern das Fach Theater soll selbst daraufhin befragt werden, wo und wie gerade aufgrund seiner fachlichen Verfasstheit immer auch sprachliches Lernen stattfindet und stattfinden muss.
Theaterunterricht umfasst drei große Bereiche, in denen sprachlich gehandelt wird:
  • das Darstellen und Agieren auf der Bühne,
  • das szenische Arbeiten im Probenraum und
  • die Rezeption von Aufführungen im Theater.
In der Bühnendarstellung etwa wird Sprache über Stimme, Artikulation und Modulation gestaltet und zur Schau gestellt. Die szenische Verkörperung und Darstellung kann dabei auch Ausdruck und Ergebnis einer Interpretationsleistung sein, wenn die Schülerinnen und Schüler eine dramatische Textvorlage inszenieren. Im Probenraum wird beispielsweise in Warm-Up-Theaterübungen nicht nur körperlich, sondern auch sprachlich improvisiert, und in der Rollenarbeit erfolgt die Auseinandersetzung z.B. mit unterschiedlichen Sprachstilen und -registern. Reflexions- und Feedback-Gespräche zum eigenen Bühnenspiel und zu dem anderer fordern und fördern Kenntnis und Gebrauch von Fachwortschatz und Bildungssprache.
Ein Aufführungsbesuch schließlich macht u.a. mit Sprache und Stil einer Inszenierung vertraut. Nachgespräche zu Aufführungen im Theater oder nachfolgende Rezeptionsgespräche in der Schule wiederum erfordern genauso wie unterrichtliche Aufführungs- und Inszenierungsanalysen Fachwortschatz um etwa über die wahrgenommenen theatralen Codes und Zeichen sprechen zu können , daneben aber auch einen Wortschatz zur Versprachlichung sinnlicher Eindrücke.
Zum Begriff der sprachlichen Kompetenz
Wie aus den skizzierten Handlungsfeldern ersichtlich ist, umfasst sprachliche Kompetenz ein weites Spektrum an Fähigkeiten, was zunächst eine genauere Begriffsklärung erforderlich macht. Hierzu kann man auf sprachdidaktische Überlegungen und Konzepte zurückgreifen. Diese verstehen Sprachkompetenz als „die Fähigkeit [], kommunikative Situationen [] intentions- und adressatenspezifisch sprachlich zu bewältigen. Sprachkompetenz ist [] ein grundlegender Aspekt der Handlungsfähigkeit des Menschen. Sie wird häufig auch als []...

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