3. – 13. Schuljahr

Alexandra L. Zepter

Theater- und Tanzarbeit als Sprechanlass

Chancen für ästhetische Lernanlässe und Sprachbildung

Bildungs- und fachsprachliche Register sind in allen Fächern ein zentrales Medium des Lehrens und Lernens. Dieser Beitrag thematisiert, inwiefern ästhetische Lerngegenstände wie z.B. Theater oder Tanz besondere Räume für (fach-)sprachliches Lernen eröffnen. Im Fokus stehen dabei die Phasen der Reflexion und des Sprechens über die ästhetischen Prozesse.

Ein grundlegendes Ziel in der Schule ist die Wissensaneignung. Einerlei, um welche Schulstufe oder welches Fach es sich handelt: Schülerinnen und Schüler sollen sich bestimmtes (Fach-)Wissen oder wissensbasiert bestimmte Kompetenzen aneignen, und sie sollen die Fähigkeiten erlangen, sich lebenslang selbstständig Wissen anzueignen. Die Wissensvermittlung und -aneignung ist dabei vorwiegend sprachlich organisiert: Die Lehrkräfte sprechen mit den Lernenden über die Lerngegenstände, und sehr oft ist der Unterricht stark vom Umgang mit Texten geprägt. Gerade Letzteres führt dazu, dass nicht vorrangig alltagssprachlich kommuniziert wird.
Im Vordergrund stehen stattdessen auf Wissen und Erkenntnis gerichtete und daher situationsentbundene bildungs- und fachsprachliche Register, die expliziter, differenzierter und gleichzeitig informationsdichter und abstrakter sind. Ihr Gebrauch setzt ein Heraustreten aus dem miteinander geteilten Wahrnehmungsraum und stattdessen den Sprung in einen Vorstellungsraum sowie ein größeres Abstraktionsvermögen voraus. Überdies sind bestimmte Sprachhandlungen wie Beschreiben, Berichten, Begründen, Erklären und Argumentieren besonders typisch (vgl. u.a. Feilke 2012).
Obgleich bildungs- und fachsprachliche Register in allen Fächern dominieren, bildet der Zugang dazu für viele Schülerinnen und Schüler eine große Hürde. Dieser Umstand hat die bildungssprachliche Förderung in den letzten Jahren in schulischen Kontexten zum Leitziel werden lassen.
Sprachsensibler Fachunterricht und ästhetische Erfahrung
In den Fachdidaktiken wird inzwischen intensiv zum „sprachsensiblen (Fach-)Unterricht geforscht. Zahlreiche Publikationen setzen sich damit auseinander, welche bildungs- und fachsprachlichen Herausforderungen sich bei der lese-, schreib- oder sprechbasierten Beschäftigung mit bestimmten Lerngegenständen ergeben können und wie in diesem Rahmen sprachsensibel unterrichtet werden kann.
Gesamtcurricular betrachtet zeigt der Diskurs jedoch noch immer wesentliche Lücken. Denn erstens überwiegen Konzepte, die die Schreib- und Leseförderung im Hinblick auf Sachtexte ins Zentrum stellen. Und zweitens fokussiert die empirische Forschung bisher vorrangig die Sachfächer und dort vor allem die mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer (vgl. Zepter 2018). Die künstlerisch-musischen Fächer (Musik, Kunst, Theater) und kulturelle Bildungsangebote, wie etwa Theater- und Tanzprojekte, in denen ästhetische Lernprozesse im Vordergrund stehen, werden im Vergleich kaum betrachtet (für eine Ausnahme vgl.Bossen 2019 zum sprachbewussten Musikunterricht).
Nimmt man andererseits die Zweit- und Fremdsprachendidaktik in den Blick, ist die Idee nicht neu, dass Theaterspiel und allgemeine ästhetische Erfahrungen Chancen für sprachliches Lernen bieten. In diesem Rahmen werden in einigen DaZ-Förderprojekten mittlerweile auch pointiert die Möglichkeiten ausgelotet, Theaterspiel zu nutzen, um bildungssprachliche Entwicklung anzuregen (vgl. u.a. Bryant/Walter 2017). Allerdings stehen zumeist die produktiven Ebenen des Theaterspielens im Zentrum. Es geht z.B. darum, implizites oder explizites Lernen von bestimmten (bildungs-)sprachlichen Mustern oder die Erweiterung des Wortschatzes durch das Einstudieren und Auf-die-Bühne-Bringen von Sprechrollen zu unterstützen. Das Theaterspielen wird in diesem Sinne als Mittel für sprachliches Lernen erkannt. Umgekehrt lässt sich jedoch ebenso gut danach fragen, welche Bedeutung (Bildungs-)Sprache...

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