5. – 13. Schuljahr

Sven Asmus-Reinsberger

Handeln, um zu verstehen verstehen, um handeln zu können

Theatrale Methoden in den MINT-Fächern

Eine Fülle an theatralen Methoden eignet sich für den mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht von Übungen zur Schaffung einer guten Lernatmosphäre über die Arbeit mit Modellen etwa mittels Standbildern, Statuen, „Maschinen oder kleinen Inszenierungen bis zu Darbietungen, mit denen erarbeitete Inhalte präsentiert werden. Etliche der hier vorgeschlagenen Methoden lassen sich auch in anderen Fächern nutzen.

Kulturschulen haben den Anspruch, Kultur nicht nur auf die künstlerischen Fächer zu beschränken, sondern für die ganze Schule einen erweiterten Kulturbegriff zu denken. Ein Aspekt hiervon ist, künstlerische Methoden auch für „andere Fächer nutzbar zu machen. Als besonders sperrig gelten in diesem Zusammenhang häufig die naturwissenschaftlichen Fächer. Gerade deshalb hat es mich als studierten Biologie- und Kunstlehrer gereizt, in meiner aktuellen Rolle als Fortbildner für das Fach Theater ein Angebot für schulinterne Fortbildungen zu entwickeln, bei dem es explizit um den Einsatz theatraler Methoden im naturwissenschaftlichen Unterricht geht.
Zu Beginn meiner Planung stand dabei die Frage nach dem „Mehrwert: Welche Qualitätskriterien können auf theatrale Methoden bezüglich der Vermittlung naturwissenschaftlicher Kompetenzen angewendet werden? Logisch erscheint mir, zur Beantwortung dieser Frage aus der Perspektive naturwissenschaftlicher Fachdidaktiken zu schauen: Theatrale Methoden sind dann kein Selbstzweck („Ringelpiez mit Anfassen, wie es skeptische NAWI-Lehrkräfte vielleicht befürchten), sondern können systematisch auf ihre Funktion für den naturwissenschaftlichen Unterricht „abgeklopft werden. Aus pragmatischen Gründen habe ich mich dafür entschieden, die Biologie-Fachdidaktik1, mit der ich „groß geworden bin, als Bezugspunkt für die Systematisierung theatraler Methoden heranzuziehen.
Wenn es um konkrete Methoden im Unterricht (und nicht um Methodenkonzepte, Groß- und Sozialformen) geht, wird in der genannten Fachdidaktik von „Fachgemäßen Arbeitsweisen gesprochen. Dabei werden grob drei Felder unterschieden:
  • 1. das Feld der Lernvoraussetzungen,
  • 2. fachgemäße Arbeitsweisen, also die „eigentlichen naturwissenschaftlichen Methoden,
  • 3. „sekundäre Methoden/sonstige Lerntätigkeiten und der Einsatz von Medien.
Lernvoraussetzungen mit theatralen Methoden unterstützen
Wenn es um Lernvoraussetzungen geht, können theatrale Methoden vielfältig in dem Bereich eingesetzt werden, der heutzutage unter dem Stichwort „Bewegte Schule oder „Exekutive Funktionen2 zusammengefasst wird. Dabei geht es besonders um Konzentrationsfähigkeit (z.B. durch Übungen, die gezielt unterschiedliche Hirnareale aktivieren3, oder Übungen zur Förderung der Wahrnehmung wie z.B. diverse Übungen, die man unter dem Stichwort „Blindenführung4 zusammenfassen kann), aber auch einfach nur um Auflockerung nach langen Denkphasen und Motivierung der Schülerinnen und Schüler durch Schaffung eines angenehmen Unterrichtsklimas. Bewährt haben sich in diesem Zusammenhang Spiele wie „Kollektives Gähnen, „Lachyoga (s. gleichnamiger Wikipedia-Artikel), „30 Sekunden Chaos, „30 Sekunden Augen schließen und einfache Rhythmusspiele wie „Body-Percussions5 oder das „Schüttel-Lied6 (s. Karteikarte ), da sie von den Lernenden ohne großen Aufwand jederzeit am Platz durchgeführt werden können.
Eine besondere Kategorie bilden Methoden, die für den Unterrichtseinstieg genutzt werden können. Dabei kann es darum gehen, emotionale Verknüpfungen zum Unterrichtsthema zu schaffen oder die Lernausgangslage der Schülerinnen und Schüler auf kreative Weise zu erfassen. Emotionale und lebensweltliche Bezüge durch künstlerische Methoden herzustellen scheint für NAWI-Lehrkräfte im angelsächsischen Bereich viel selbstverständlicher zu sein, zumindest legen dies vielfältige Videos nahe, die man in diesem...

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