7. – 13. Schuljahr

Elisa Moser

Wir spielen Talkshow

Theater im Politikunterricht

Anhand von Rollenspiel und Gender-Performance wird gezeigt, wie Theatermethoden zur fachspezifischen Kompetenzentwicklung im Politikunterricht beitragen können.

Theaterspielen ermöglicht den Spielenden, sich mit einer Thematik körperlich, ästhetisch und emotional auseinanderzusetzen.1 Ein künstlerischer Prozess, etwa auf dem Weg zu einer Theateraufführung, verläuft nicht selten chaotisch und mit Umwegen. Die Spielenden finden theatrale Zeichen für eine szenische Wirklichkeit, die sich auf die Realität beziehen. Sie lernen nicht nur Darstellungsweisen zu finden, sondern auch theatrale Zeichen zu lesen, gar zu entschlüsseln. Mithilfe theaterpädagogischer Methoden können Lehrkräfte ihren Schülerinnen und Schülern eine solche ästhetische Erfahrung auch im Politikunterricht ermöglichen. Der vorliegende Beitrag stellt die Frage, wann solch eine Verknüpfung überhaupt sinnvoll ist, und gibt Anregungen dafür, wie speziell theaterpädagogische Methoden zur fachspezifischen Kompetenzentwicklung im Politikunterricht beitragen können. Hierbei werden ausschnitthaft zwei theaterpädagogische Methoden für den Einsatz im Fachunterricht beleuchtet.
Was haben leibliche und emotionale Zugänge, wie sie theaterpädagogische Methoden öffnen können, überhaupt zu gesellschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen oder rechtlichen Fragestellungen im Politikunterricht zu suchen? Ist es nicht die politische Bildung, die es Menschen ermöglichen soll, ganz rational auf den unverhüllten Kern der Sache zu blicken? Und: Würden ästhetische Zugänge da nicht die rationale Auseinandersetzung mit Politik nur erschweren oder gar verschleiern?2 Dieser oder ähnlicher Kritik begegnet man häufig auf der Suche nach Anknüpfungspunkten ästhetischer und politischer Bildung. Dass man vor dem Hintergrund politischer Instrumentalisierung der Kunst im Nationalsozialismus der ästhetischen Dimension politischer Gegenstände eher skeptisch gegenüber steht, mag verständlich sein. Jedoch wäre eine Abwendung von theaterpädagogischen Methoden zu kurz gedacht.
Was kann Theaterspielen für die politische Bildung leisten?
Wir bewegen uns in modernen Gesellschaften, die außerordentlich medial geprägt sind. Inszenierungspraktiken in Politik und Gesellschaft und eine zunehmende Ästhetisierung des Sozialen prägen das öffentliche Leben. Jene Gesellschaften sind es, in denen sich Schülerinnen und Schüler, auch unterstützt durch politische Bildung, orientieren und an denen sie partizipieren können sollen. Theaterpädagogische Methoden schulen nicht zuletzt auch die ästhetische Wahrnehmung und Darstellungskompetenz der Jugendlichen. Aus diesem Grund sind theaterpädagogische Methoden, die die Fähigkeit zur „Einsicht in die Konstruktion (medialer) Wirklichkeiten3, zum Perspektivenwechsel und zum Aushalten von Widersprüchlichkeit fördern können, in der politischen Bildung durchaus einer näheren Betrachtung wert.
Welche Kompetenzen sollen im Politikunterricht entwickelt werden?
Angesichts der Tatsache, dass sich nicht nur die Bezeichnung des Unterrichtsfaches politischer Bildung, sondern auch sein Stundenumfang und seine inhaltliche Ausgestaltung je nach Bundesland unterscheiden4, sei an dieser Stelle auf ein länderübergreifendes Kompetenzmodell der Gesellschaft für Politikdidaktik und politische Jugend- und Erwachsenenbildung (GPJE) verwiesen. Das zentrale Ziel politischer Bildung in der Schule ist es, die Schülerinnen und Schüler zur „Teilnahme am öffentlichen Leben zu befähigen5. Schulische politische Bildung begleitet junge Menschen während ihrer Schulzeit auf dem Weg zu demokratiefähigen Bürgerinnen und Bürgern. Sie sollen sich in der Gesellschaft orientieren, politische Fragestellungen und Probleme beurteilen und am öffentlichen Leben teilhaben können. Aus diesen Zielstellungen politischer Bildung ergeben sich drei Kompetenzbereiche, in denen eine Entwicklung stattfinden soll: politische...

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