Medien

EinFach Deutsch
Unterrichtsmodell Neu
Georg Büchner: Woyzeck
Gymnasiale Oberstufe
Braunschweig: Westermann 2018
Etwas verwirrend: In der Verlagsgruppe Westermann werden gleich vier Publikationen in der erfolgreichen Reihe „EinFach Deutsch angeboten. Unter dem Titel „EinFach Deutsch...verstehen bieten Claudia Müller-Völkl und Michael Völkl auf 99 Seiten Interpretationshilfen zu Woyzeck. Der Band dient vor allem zur Vorbereitung auf ein Deutschabitur und bietet dafür Hintergrundmaterial, Personencharakterisierungen und Szenenanalysen. Zwei weitere Unterrichtsmodelle stammen von Norbert Schläbitz und sind ebenfalls im Schöningh-Verlag erschienen. Die hier vorgestellte und aktuellste Publikation vom selben Autor bietet eine neubearbeitete und ergänzte Version des Unterrichtsmodells von 1999 und ist 2018 im Westermann-Verlag erschienen.
Komplett neu ist der umfangreiche Baustein zum Film Woyzeck von Werner Herzog, in dem anhand ausgewählter Szenen Elemente der Filmsprache und deren Funktion vorgestellt werden. Schwerpunkt der Filmanalyse liegt auf der Rezeption(sgeschichte) des Films und den beiden Akteuren Klaus Kinski und Werner Herzog.
Das Unterrichtsmodell bietet anhand sechs weiterer Bausteine viele Anregungen für eine abwechslungsreiche Unterrichtsgestaltung (z.B. Bausteine zum Ideal und der Moral, zu Gewalt(tät)igen Sprachwelten, zu Büchners Literatur- und Kunstauffassung oder zu Alban Bergs Oper Wozzeck).
Die Bausteine der Reihe „EinFach Deutsch sind praxisorientiert und geben konkrete Ideen für Klassen- und Kursarbeiten, Arbeitsblätter sowie einen Vorschlag für eine Deutschklausur am Ende des Zusatzmaterials. Die Vorschläge für szenisches Spiel sind erwartbar auf Rollenspiele und Rollenbiografien bezogen. Mit Blick auf den Theaterunterricht darf man sich hier keine konkreten Gestaltungsaufgaben erwarten. Das Unterrichtsmodell „EinFach Deutsch zielt selbstredend auf den Deutschunterricht. Dennoch können die vielfältigen zusätzlichen Materialien, Textarbeiten und Schreibaufträge der Reihe durchaus inspirierend sein für theatrale gestalterische Forschungsfragen zu einer thematischen, sprachlichen und performativen Auseinandersetzung mit Woyzeck im Theaterunterricht.
Werner Herzog
Woyzeck
DVD, Arthaus, erschienen bei Studiocanal 2004 (1979)
Nuran David Calis
Woyzeck
DVD, Koproduktion von Magic Flight Film GmbH, Beta Film GmbH, ZDFkultur und 3sat in Zusammenarbeit mit ARTE 2012
Im Zuge eines erweiterten Text- und Medienbegriffs findet man Filmbildung zunehmend als Querschnittsaufgabe, aber auch ganz explizit in den Lehrplänen von Deutsch und Theater. Die beiden Verfilmungen des klassischen Stoffes Woyzeck eignen sich dabei sehr gut für eine intensive vergleichende Auseinandersetzung mit dem Originaltext und Fragen zur filmischen Umsetzung. Der Einsatz von Theaterverfilmungen und Theateradaptionen im Theaterunterricht sollte gerade zu Beginn einer Auseinandersetzung mit einem Stoff nur mit einer klaren didaktischen Zielsetzung vorgenommen werden, da man sonst zu leicht Gefahr läuft, feste Bilder zu etablieren.
Werner Herzogs Verfilmung von 1979 erinnert noch stark an ein Bühnenspiel, das vor allem die Schauspieler und hier insbesondere Klaus Kinski als Woyzeck ins Zentrum rückt. Wenige Schnitte, lange Szeneneinstellungen meist in der Totale ohne füllende Übergänge verstärken den Eindruck einer Theaterverfilmung. Die Nähe zur literarischen Vorlage und der Verzicht auf einen eigenen filmsprachlichen Zugriff auf Woyzeck konnten viele Kritiker, die eine zeitgemäßere Interpretation erwartet hatten, nicht überzeugen. Polarisierend wirkte die Besetzung durch den ohnehin umstrittenen Klaus Kinski in der Hauptrolle. Auch wenn Herzogs Woyzeck sicherlich nicht die Bedeutung einiger seiner anderen Filme wie etwa Fitzcarraldo oder Aguirre, der Zorn Gottes erlangte, gehört das Bild Kinskis als leiser, verhetzter Woyzeck in einem merkwürdig stilisierten Kleinstädtchen zum festen Bestandteil eines...

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