10. – 13. Schuljahr

Katherina Winkler

Mit Musik, Bewegung, Ausdruckstanz

„Woyzeck als inklusives Open-Air-Stationentheater

Mit einer Gruppe erwachsener Laiendarsteller und -darstellerinnen mit und ohne Behinderungen inszenierte der inklusive Theaterclub „Melo am Theater der Jungen Welt in Leipzig im vergangenen Jahr „Woyzeck als Collage aus Bewegungsbildern zu Schlüsselmomenten des Dramas.

Auf der Suche nach einem Stoff für unsere Gruppe kam Josephine Freund und mir, den Leiterinnen des inklusiven Clubs „Melo(s. Kasten), Woyzeck in den Sinn. Die Geschichte eines Menschen, der nicht nur am Rande der Gesellschaft steht, sondern auch mit inneren Dämonen kämpft, reizte uns. Für Woyzecks Innenwelten wollten wir Formen finden und die etwa 20 Spielerinnen und Spieler des Clubs, davon etwa die Hälfte mit und die Hälfte ohne Behinderung, dabei den späteren Aufführungsort erkunden und vielfältig bespielen lassen.
Hintergrund
Hintergrund
Der Club Melo
Der Club Melo ist eine im Theater der Jungen Welt in Leipzig ansässige Schauspielgruppe, die seit der Spielzeit 2014/2015 unter professionellen Bedingungen Theater spielt und aufführt. Der Club ist offen für Menschen mit und ohne Behinderung. Die Gruppe wird von ausgebildeten Theaterpädagoginnen und Theaterpädagogen geleitet. Nach einem Probenzyklus finden Aufführungen im Rahmen des regulären Theaterbetriebs statt.
Ziel ist es nicht nur, die Schauspielbühnen für Menschen mit Behinderung zu öffnen, sondern im Theaterrahmen Menschen aller Couleur aufeinandertreffen zu lassen. Im Club arbeiten Beschäftigte der Lebenshilfe-Werkstatt mit Laiendarstellerinnen und -darstellern aus ganz Leipzig zusammen.
Der inklusive Theaterclub verfolgt weiterhin das Ziel, die Rezeptionshaltung des Publikums in Richtung Inklusion zu öffnen. Das entstandene Theaterstück soll nicht als Förder- oder Therapiemaßnahme, sondern schlicht als Theater wahrgenommen werden. Die Zuschauerinnen und Zuschauer beurteilen das Stück nicht anhand der persönlichen Eigenschaften der Schauspieler, sondern anhand der künstlerischen Leistung.
Der Club Melo wurde und wird gefördert vom Freistaat Sachsen, der Aktion Mensch und dem Sozialamt der Stadt Leipzig.
Unsere Arbeit ist zunächst sehr prozessorientiert. Wir arbeiten vor allen Dingen mit Improvisationen, selten mit zu lernenden Texten. Eine Rollenverteilung, sofern vorhanden, ergibt sich über das Improvisieren. Auch das Bühnenbild wird erst später festgelegt. Gleichermaßen entstehen Ideen für das Bühnenbild, die verschiedenen Stationen auf dem Gelände des Festivalortes der Clubwoche des Theaters der Jungen Welt, im Laufe der Arbeit.
Den Stoff kennenlernen
Das Leitungsteam des Club Melo bringt die Männer und Frauen zwischen 20 und 62 Jahren auf verschiedenen Wegen mit der Geschichte in Berührung. So bekommt die Gruppe einmal Besuch von Hans Henrik Wöhler, einem Profi-Schauspieler, der in entspannter Atmosphäre eine eigens für Club Melo in leichter Sprache verfasste Kurzversion des Büchnerschen Dramas vorliest. Es schließt sich ein Gespräch an, und schnell wird klar: Insbesondere der Mord fasziniert, und ebenso die Tatsachen, dass Woyzeck ein Kind hatte und offensichtlich nicht besonders nett war zu seiner Frau. Wir lassen der Gruppe Raum für Überlegungen und Fragen, schauen, was für sie besonders interessant ist. Zwei Überlegungen gilt es dabei im Blick zu behalten: Wird die Geschichte als solche in Gänze verstanden? Und kann dann von Woyzeck ein Bezug zu uns hergestellt werden?
Unser Anspruch ist in den folgenden Proben zunächst, Vorgänge, Personen und Motive des Stücks begreiflich zu machen und das tun wir möglichst sinnlich, etwa durch Raumläufe. Zu Musik lassen wir die Gruppe im Probenraum umherlaufen und geben dazu Arbeitsanweisungen. Alle bewegen sich beispielsweise einmal wie ein selbstbewusster Tambourmajor, ein andermal wie jemand, der angstvoll und getrieben vor etwas davonläuft. Außerdem arbeiten wir zu Beginn mit Standbildern zu einzelnen...

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