Rezension

Kristin Westphal, Teresa Bogerts, Mareike Uhl, Ilona Sauer (Hrsg.)
Zwischen Kunst und Bildung
Theorie, Vermittlung, Forschung in der zeitgenössischen Theater-, Tanz- und Performancekunst
Oberhausen: Athena 2018
Diese 500-seitige Publikation ist eine Sammlung von Beiträgen an der Schnittstelle von Kunst und Bildung, die aus dem Projekt „Kunst_Rhein_Main hervorgegangen ist. Aus Theorie, Vermittlung und Wissenschaft werden Konzeptionen und Perspektiven aufgezeigt, die aus einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Verbundvorhaben im Zeitraum von 2014 bis 2017 entstanden sind. An dem Projekt beteiligt waren neben der Universität Koblenz-Landau (Koordination: Prof. Dr. Kristin Westphal) Tanzlabor 21 (in Trägerschaft des Künstlerhauses Mousonturm), Tanzplattform Rhein-Main sowie FLUX Theater+Schule.
Im Zentrum stehen dabei die Reflexion der Auseinandersetzung mit zeitgenössischen künstlerischen Verfahrensweisen in Theater, Tanz und Performance und ihre Übertragbarkeit für eine künstlerisch-pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in non-formalen und formalen Bildungskontexten. Die leitende Fragestellung und der „rote Faden aller Beiträge ist dabei, „welche Erkenntnisse sich erschließen, wenn sich der Blick auf die Dimensionen ZWISCHEN Kunst und Bildung richtet (Vorwort, S.9).
Die theoretische Grundlegung als gesonderter Kapitelblock setzt dabei neue Impulse,wenn aktuelle Transforma-tionsdynamiken berücksichtigend (v.a. Postdigitalität) damit argumentiert wird, dass Bildung nicht nur Selbst-Bildung, sondern auch Welt-Bildung meint. Cultural hacking ist das Schlagwort dafür, wenn es um eine interaktive Angleichung an und um eine Aneignung von Kultur(en) geht (vgl. Torsten Meyer, S.121).
Überhaupt wird explizit von einem (historisch) erweiterten Kulturbegriff ausgegangen, der alle Gestaltungsformen menschlichen Lebens einschließt und damit nah an den kulturellen Praxen und Praktiken von Heranwachsenden ist, die aufgrund von Postmigration, Globalisierung und Postdigitalität um nur einige der aktuellen gesellschaftlichen Transformationen zu nennen mannigfaltige Lebensformen ausbilden.
Wenn „Kultur ist, wie wir leben (Zitat UNESCO-Erklärung von 1982), dann setzen die neuen künstlerisch-pädagogisch-ästhetischen Verfahrensweisen genau an der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen an. Die theoretische Befragung von Begrifflichkeiten und der Blick auf kulturell überfärbte und konstruierte Wirklichkeiten, wie zum Beispiel Bilder von Kindheit, sensibilisieren für den (performativen) Handlungsvollzug kultureller Praktiken und leiten über zu dem Kapitel mit Beiträgen, die sich mit künstlerisch-zeitgenössischen Verfahrensweisen (Tanz, Theater, Performancekunst) unter methodisch-didaktischen Perspektiven auseinandersetzen.
All diesen Konzeptionen ist gemein, dass sie zeitgenössische kulturelle Praxen transparent machen, Ordnungen außer Kraft setzen und unterbrechen wollen, um andere Sichtweisen zu ermöglichen und zu erfahren ermöglichen. Kunst, Bildung und Wissenschaft werden dabei zusammen gedacht. So kann etwa das Forschungslabor des Fundustheaters in seiner detaillierten Beschreibung der Vorgehensweise nicht nur für das Schultheater fruchtbar gemacht werden, sondern dient darüber hinaus als übergreifender Impuls generell für die allgemeine unterrichtliche Arbeit.
Ein eigenes Kapitel ist der Präsentation verschiedener künstlerisch-pädagogischer Verfahrensweisen gewidmet, die allesamt aus der Zusammenarbeit mit Künstlerinnen und Künstlern (aus Choreografie und Performance) entstanden sind. Dabei wurde folgenden Leitfragen nachgegangen: Wie können Kinder, die von den Medien permanent mit Bildern von Katastrophen überschüttet werden, die Dimensionen mit den Mitteln des Modell-Bauens begreifen? Was zeichnet eine Performance als solche aus? Was heißt es, auf einen Raum zu antworten? Wie kann man bei individuellen Interessen und bei verschiedenen (biografischen)...

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